Donnerstag, 17. Mai 2018

Frühling: Flieder-Erinnerungen




Ein kräftiges Fliederrot und unverkennbarer Duft wecken Erinnerungen an die Tage der Kindheit.



Von Georg Hainer
Wenn ich im Frühling den Gartenweg am Haus gehe, dann strömt der lieblich-verführerische Duft blühenden Flieders in die Nase. Das eröffnet mir ein kleines Fenster der Erinnerung an meine Kindheit, weil sich einstens auch bei Oma rund um ihr von Wiesen, Obstbäumen, Blumen und Sträuchern umgebenen Häuschen das Frühjahr in voller Pracht zeigte. Der Flieder mit seinem betörenden Duft gehörte dazu. Oma und Mutter liebten das, und so zwackten sie den weißen und dunkel-fliederfarbenen Sträuchern ein paar wenige Ästchen zur Dekoration des Heims und zur Duftverbreitung ab. Daher war es eine gute Fügung, dass Jahre später auch im Garten unserer damals jungen Familie und noch heute duftender Flieder die Sinne erfreute und erfreut und so Vergangenheit und Gegenwart eint, die Zeiten früher und den Alltag heute.



Im Garten heute zeigt sich der wohlduftende Flieder gleich in mehreren Farben. (Fotos/ Montagen: presseweller)


Groß und keck stehen zwei stramme Fliederbüsche im kräftigen Fliederrot auf der linken, zwei kleinere, der eine mit blassrosa Blüten, der andere in strahlendem Weiß, auf der rechten Seite. So verspürt man den Duft nicht nur, wenn man über den Weg in den Garten geht, sondern auch, wenn man im Garten oder auf der Terrasse ist – von allen Seiten wohlig umströmt.

Ist der Duft des Flieders auch etwas Besonderes, so tragen im Frühling natürlich all‘ die anderen Blüher zu einem farbenfrohen Spiel bei, von dunklem bis hellen Rot, über Tief- bis Blassblau und strahlendem Gelb bis zu leicht rötlich durchzogenem Weiß und Schneeweiß. Osterglocken und Narzissen, unterschiedlich kolorierte Tulpen und Pfingstrosen, gelber Löwenzahn sowie weiße Apfel- und Kirschblüten geben sich zu ihrer Zeit ein Stelldichein, als wollten sie sagen: „Schaut her, blühen wir nicht schön und üppig?"  Was für eine vielfältige Farbenwelt, die sogleich so angelegt ist, dass Bienen, Hummeln, Insekten, Schmetterlinge angelockt werden und im wahrsten Sinne des Wortes auf die Blüten fliegen, um vom Nektar zu kosten und Samenstaub weiterzutragen, um der ständigen Erneuerung des Lebens zu dienen, wie es seit den Anfängen ist – das Wunder des Lebens in seinen zahlreichen Facetten.


Hier zeigen sich Tulpen, Pfingstrose und Schwertlilie in ihren "verlockenden" Farben.


Spaziert man durch die Natur, wird das überall gewahr, und selbst, wenn man nur in den Garten geht, den Blumen-, Baum- und Strauchzauber sieht und den Duft von Flieder und Wiesen aufnimmt, regen sich die Sinne zum Sinnieren und eben oft auch zum Erinnern - im ewigen Kreislauf vom Frühling bis zum späten Herbst des Lebens.

(Siegen 2018. Fotos/ Montagen © presseweller, wellSi-made)

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Donnerstag, 12. April 2018

Zeitlos schön - Fachwerk/ Emmer schöar - Fachwerkhüser em Sejerland



Teilansicht: Schönes Fachwerk in Freudenberg, Foto aus 2011. (Foto: presseweller)
Deilaasecht: Schöarnes Fachwerrk uss dm Flecke. Beld va 2011. 



Für Generationen gebaut

Ein Haus-Gerüst in Schwarz und Weiß,
befacht mit festem Reisig-Lehm,
und auf Baumeisters Geheiß
mit so zahlreich Quer-Gerähm.
Fest gebaut in heim'scher Eiche,
die “Nägel” einst aus hartem Holz,
dass es auch dem Wind nicht weiche,
so war das Haus der ganze Stolz.

Jahrhundeıte so manchem Sturm getrotzt,
hier und da ein Spruch ins Holz geritzt,
später ausgebaut und aufgemotzt,
weiß man, was Beständigkeit noch ist.

Ob Hilchenbach und Freudenberg,
in vielen Dörfern noch recht fein,
so schaut man gerne auf das frühe Werk,
soll wohl für “ewig” so gebauet sein.
                                          Georg Hainer

Hinweis: Fachwerkhäuser gibt es überall, in teils anderer
Farbgebung und unterschiedlichem Gefachaufbau. Im Sieger-
land und angrenzenden Gebieten wurde für die Gefachung eine
Masse aus Lehm und Holzreisig gewählt. Die Verbindung der Balken und Ständer erfolgte durch Verzapfungen und Holznägel.
Heute meist restaurierte Fachwerkbauten, teils in ganzen Straßenzügen oder alten Vierteln, sind zum Beispiel in Freudenberg und in Hilchenbach zu sehen. Schöne Fachwerkhäuser gibt es auch vielen Siegerländer Dörfern.


In Mundart
Fachwerk - Schöarnes for Generazione

Dt Huss-Geröst e Schwarz un Wiss// befacht bet festem Reisich-Lähm//
un op Baumeisters Geheiß// bett so zahlreich Quer-Gerähm.
Fest gebaut bet ooser Eiche// de Näel einst woarn uss hartem Holz//
doamet dr Bau dm Wend net weiche,// so woar det Huss dr ganze Stolz.

Joahrhonnerde dm Sturm getrotz// he un doa e Spruch edt Holz geretzt//
späer ussgebaut un opgemotzt// weiß mr, wat Beständigkeit noch ess.

Ob Helchemich, dr Flecke Freudenberch,// e veelen Dörfern noch ganz fein,//
so guckt mr gern opdt fröhe Werk,// sall for de Ewichkeit gebaut wurrn sinn.
                                                                                                  Georg Hainer

Hinweis: Fachwerkhüser gerret üwerall, deils e anneren Farwe un onnerscheedlichem Gefachopbau. Em Sejerland un ahgenzenden Gebeeren wuur for de Gefachung ne Masse uss Lähm un Holzreisich genomme. Balke un Ständer wuurn met Verzapfunge und Holz-Näel verbonne.
Heut meist restaurierte Fachwerkbaude, deils ganze Stroaßezöje or aale Vierdel, sinn zom Beispiel e Freudenberch un Helchemich zo seh. Schöarne Fachwerkhüser gerret och e veele Sejerlännern Dörfern.

Dienstag, 20. März 2018

Ostern früher: Der Hase leistete gute Arbeit



Eier im Garten – manches Mal bei Schnee - suchen




Zur Osterzeit gibt es überall schöne und teils üppige Dekorationen. (Fotos/ Repros: (c) presseweller)

Im März 2018. Bis heute scheint sich der Spruch von Mutter, Vater, Oma oder Opa an die Kinder gehalten zu haben: „Komm schnell ans Fenster, der Osterhase!“ Waren wir dann flugs da, hieß es dennoch: „Schade, er ist gerade um die Ecke.“ Die Enttäuschung hielt sich in Grenzen, weil er zumindest wohl die Nester gefüllt hatte. Wenn nach dem Winter das Osterfest nahte, war das für uns Kinder und auch für die Eltern und Erwachsenen eine besondere Zeit. Der Frühlingsanfang war gemacht. Ostern kam mal etwas früher und mal etwas später. So war das Wetter längst nicht immer verlässlich. Manchmal mussten wir die Eier im Schnee suchen. Da war es praktisch, dass sie bunt gefärbt waren, und die zuständigen Hasen mit ihrer Mannschaft ganze Arbeit geleistet hatten. Oft aber schon strahlte auch die Sonne, und wir suchten die grünen Moosnester voller Eiern zwischen blühenden Krokussen, den letzten Schneeglöckchen und Büschen. Und dieses „Spiel“ des Suchens hat sich bis heute erhalten, weil unsere Freunde und wir es mit unseren Kindern ebenso hielten, und die es nun wiederum in ihren Familien weiterhin pflegen. Wie schön.




Im ewigen Kreislauf des Lebens legt sich die Natur im Frühling ein buntes Kleid an. 


Zu Ostern hat sich die Natur bereits ein grünes Kleid angelegt, und wenn die Sonnenstrahlen über blaue Krokusse und andere Frühjahrsblüher springen, dann wärmt das die Herzen und bringt tief drin Freude und Zufriedenheit. So oft ist der Frühling besungen und bedichtet, um dem Blühen und Grünen und den aufflammenden neuen Gefühlen nach dem vielleicht harten, aber meist zumindest kalten Winter Auftrieb zu geben. Auch in diesem Jahr wird er dringend erwartet, nachdem Väterchen Frost noch in der 3. Märzwoche heftig unterwegs war, eisiger Wind inklusive. Aber, wir halten es mit Emanuel Geibel, bei dem es im Gedicht heißt … es muss doch wieder Frühling werden …!, und Eduard Mörike „Frühling lässt sein blaues Band ...“. So hoffen wir wie früher und freuen uns auf Ostern.


Mit künstlichem Moos ist das Osternest auf dem Tisch dekoriert.



Moos sammeln
In der Vorwoche zum großen Christenfest ging es mit Mutter oder Eltern in den Wald, um Moos zu holen. Das bildete mit seinem Dunkel-bis-Hellgrün und der weichen, angenehm zu fassenden Struktur schließlich die Grundlage für die so ausgepolsterten Nester. Noch mehr als in den Gärten begleitete uns im Wald von allen Seiten das Vogelgezwitscher, mal aus den hellgrünen Birken, den Buchen und Eichen und mal aus den dunklen Fichten und Tannen, die sich ehedem noch mit ihren schneebedeckten Zweigen als wahre „Weihnachtsbäume“ gezeigt hatten. Für die Vogelschar, die schon einige Zeit wieder aus dem Süden zu uns zurückgefunden hatte, hieß es: Nester bauen. Schließlich soll es der Nachwuchs gemütlich haben. Zu Hause war österlich dekoriert, mit grünen Zweigen, Hasenfiguren und ab und zu mit bunten, ausgeblasenen Eiern. Später standen dann ab und zu auf einem Bord auch Figuren der „Häschenschule“. Schule war auch für die Schulkinder wichtig. Früher stand Ostern noch wegen eines anderen Termins im Gedächtnis: Vor den Ferien gab's die „Versetzungs-Zeugnisse“, die „Giftblätter“.



Karfreitag, "dunkler" Kreuzigungs- und stiller Feiertag. Bald aber schon erhellt sich die Welt wieder. Auferstehung!


Ruhige Tage mit Kirchgang
In der Karwoche ging es zu Hause ruhiger zu, vor allem ab Gründonnerstag. Viele hatten bereits seit Aschermittwoch gefastet. Manche Spielfreunde verzichteten in dieser Zeit auf Klümpchen, Bonbons. Besonders von Gründonnerstag bis Karsamstag hieß es in vielen Familien „Schmalhans Küchenmeister“. Ohnehin standen in den 1950er-Jahren während der Woche meist keine üppigen Fleischspeisen auf dem Essensplan. Vor dem Ostertag kochte Mutter dann zum Beispiel Spinat und Kartoffeln mit Eiern, an Karfreitag gab es meist gebratenen Fisch. Den konnte man donnerstags im nahen Konsum holen. Manche gingen Karfreitag und an Ostern in die Kirche, die meisten zumindest am Osterfeiertag. Man gesellte sich mit Nachbarn zum Kirchgang. Die Dunkelheit und Stille zum Kreuzigungsgeschehen in Golgatha war gewichen, das Leben hatte über den Tod gesiegt, wie es uns unser abendländischer Glaube seit Generationen gelehrt hat. Auferstehung! In den Gesichtern der Gottesdienstteilnehmer stand Freude, sie strahlten Güte und Wärme aus.
Wir Kinder hatten schon vor dem Kirchgang die Nester gesucht und die bunte Eier-Vielfalt eingesammelt. In späten Jahren war auch manchmal ein Schokoladen-Ei oder -Osterhase dabei.



Noch ist es frisch beim Frühlingsspaziergang.



Spaziergänge und Besuche
Ostern waren Tage im sonntäglichen Glanz. Alle waren festtagsgemäß, sonntäglich, gekleidet. Die Frauen und Mädchen in Kleidern oder Blusen und Röcken, die Jungs und Männer in Anzügen oder Kombinationen mit teils hellen oder weißen Hemden und meist Krawatte. Nein, mit Jeans und Co. war kaum jemand unterwegs. Festtäglich eben. Schön, feierlich, gut.
Alleine in der Familie oder mit guten Bekannten gab es gemeinsames Kaffeetrinken mit Obstboden, Torte und Marmorkuchen. Oft schloss sich ein Spaziergang durch den nahen Wald an. Wie heute noch gepflegt, fanden wir Kinder hinter diesem und jenem Baum oder Busch noch bunte Eier. Der Osterhase ist eben fleißig!
Am anderen Feiertag ging es zu Besuch bei den Großeltern, wo teils auch die Tanten und Onkels mit Familien in der Nähe wohnten. Da gab es dann für uns Kinder nochmals bunte Eier und für alle Nachmittagskuchen und gemütliches Beisammensein. Wir Kinder, die Lotte, Susanne, der Lothar, Heinz, der Wolfgang und … und … waren außerdem mit Eier-Dippen, -Detschen, -Kippen, Eier-Weitwurf und -Hochwurf über die Wäscheleine beschäftigt. Welches Ei ist am stabilsten? Zerborstene mussten an den „Sieger" abgegeben werden. Aber das war ein Hin und Her und hat Spaß gemacht. Alles das sorgte für erfüllte Festtage, die uns am nächsten Tag wieder unbeschwerter in den Alltag eintauchen und uns andere fragen ließen: „Hattet ihr schöne Ostern?“, worauf es meist ein zufriedenes „Ja!“ gab.



Kunterbunte Eierwelt aus der Hasenwerkstatt.



Ostern und Frühling
Wie ist das schön, wenn wir Menschen an Ostern sowie anderen Festtagen einmal ein gutes Stück des Alltags hinter uns lassen. Uralte Bräuche und Feste sowie der Name der germanischen Frühlingsgöttin Ostera werden zur Erklärung für das Wort Ostern herangezogen. Eier stehen für die Fruchtbarkeit, wenn auch die Hühner als Produzenten eher im Hintergrund bleiben. Der Hase hat ihnen die Schau „gestohlen“. Und über allem steht der Frühling, der für neues Leben und Erneuerung der Natur steht, jahrein, jahraus. Er beschert uns, ob zur Kinderzeit oder heute, stets das Wiedererwachen der Natur, taucht Landschaften in ein mildes Grün und bunte Blumenfarben. Er zaubert ein Lächeln auf unsere Gesichter, verschafft dem Leben neuen Atem und zeigt das Wunderwerk Natur in wieder neuem Glanz, zeugt von den Geheimnissen allen Lebens.      Jürgen Weller

...........Fotos aus verschiedenen Jahren. Jürgen Weller berichtet seit Jahren über Feiertage und zu Siegerländer Leben. Über die Homepage www.buch-juwel.de sind Magazine und Poster abrufbar, außerdem gibt es eine umfangreiche Mundartliste in "Siegerländer Platt", die ohne Anmeldung aufgerufen werden kann. "Siegerländer Mundart2 ist lexikonartig aufgebaut - mit Übersetzung und teils mit kurzer Erläuterung. ..........