Donnerstag, 10. Januar 2019

Papa schaut von oben auf uns

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Hallo Papa, bist schon so lange nicht mehr auf Erden, aber im Herzen bei uns. 



>Papa schaut von oben auf uns<

Oh Papa, so viel Zeit nun schon vergangen ist,
seit Du in die Ewigkeit gegangen bist,
gewiss, in dieser himmlisch Ruh
schaust Du uns von oben zu.

Blickst auf uns mit Liebe nur zurück,
auf Jahre, Alltag voller Glück.
Warum so früh, so fragt man sich,
warum so lange ohne Dich?

Hast geführt durch Kindheit, Jugend,
uns gelehrt zu guter Tugend,
gemahnt zu unsren Halbstark-Jahren,
als aufsässig wir waren.

Oh Papa, heut‘ würd ich noch gerne fragen,
was Du mir hättest jetzt zu sagen,
die Geschichten hört ich wiedermal so gern,
sie sind noch da, trotzdem ein bisschen fern.

Was soll ich tun in diesem Fall, was rätst Du mir?
So schade, Du bist nicht mehr hier.
Oft, Papa, bete, frage ich zu Dir und Mama oben,
wo Ihr von heilig Kräften seid umwoben.
9. Januar 2019 jw                                     Georg Hainer


Trauer, Hoffnung und Gedenken sind nicht auf die Totengedenktage im November begrenzt. Es sind auch die Todes- und Geburtstage der Menschen, die aus unserem Leben geschieden sind und so viele andere Anlässe, Stunden und Tage, an denen man an seine Angehörigen und Freunde denkt. Autor und Schriftsteller Georg Hainer schreibt und veröffentlicht seit 40 Jahren Gedichte und Geschichten - auch humorvolle und zeitbezogene.

Auf die verschiedenen Blogs und Heimatliches zum Siegerland gelangt man ohne Anmeldung über die Homepage des Verlags: www.buch-juwel.de 


Freitag, 13. Juli 2018

Die Sommer der Kindheit in Siegen


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Teil 1

Sonnen, im Wännchen planschen und spielen

Was war das für eine Zeit für uns Kinder, die 1950er- und 60er-Jahre! Oh nein, nacherleben können wir sie nicht mehr, sondern nur aus der Erinnerung hervorkramen, was ein inneres Strahlen auslöst, das Glück in den Kopf und manches Mal ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Schon unsere Kinder lebten in einer anderen Welt, die zwar behütet, aber doch so anders war, als in dieser Nachkriegszeit, in der für die Normalbevölkerung die Einkommen nicht üppig waren, aber leben ließen. Die Eltern fielen in diesen Aufschwung hinein, den man „Wirtschaftswunder“ nennt. Das verbinden viele noch mit dem  damaligen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und dem Begriff  "Soziale Marktwirtschaft". Waren die Eltern und Großeltern froh, den schlimmen Krieg überstanden zu haben, freuten wir kurz vor 1945 und danach geborenen Kinder uns, unsere Kindheit ausleben zu können. Ähnlich wie hier wird es wohl überall im Siegerland und in anderen Regionen gewesen sein, in dieser etwas anderen Aufbruchzeit.


Teil-Silhouette von Siegens Oberstadt. Rechts die Nikolaikirchen-Turm mit dem Wahrzeichen, dem Krönchen, und links der Turm der Marienkirche in der Löhrstraße. (Alle Fotos/ Repros (c) presseweller)


Die meisten aus meinem Umfeld hatten wohl eine frohe und schöne Kindheit, wie es sich damals darstellte und im Umgang zu erfahren war und wie es die Erinnerung nochmals ein Stück blumiger macht - wenigstens ab der Zeit, ab dem man dem Kinderwagenalter entwachsen ist.  



Die Kinderwagenzeit ging vorbei. Wahrscheinlich werden wir viele schöne Ausfahrten gemacht haben. Früher sahen die Wagen noch anders aus als die heutigen modernen.


Ehedem bekamen wir nach und nach durchaus mit, dass manche Väter noch mit leichten und auch schwereren Kriegsverletzungen zu tun hatten und Mütter ab und an unter sich oder bei Familientreffs erzählten, wie beklemmend es gewesen sei, bei Alarm wegen Bombenangriffen in den Bunker gehen zu müssen. Aber damit waren wir Kinder in unserem Spieldrang nicht belastet. Es war einfach schön, dass wir zu vielen etwa gleichaltrigen Kindern in der Straße, in Nachbarstraßen und im Wohnhaus waren. Da ließ sich so einiges unternehmen, das, was Kinder in aller Welt gerne tun: unbeschwert spielen und erkunden.


Namensvielfalt

Wir trafen uns auf der Straße, Mädchen und Jungen. Sie trugen die damals üblichen Namen, die zum Teil seit wenigen Jahren wieder aktuell sind: Alexander, Bert(h)old, Christian, Dieter, Eberhard, Joachim, Jürgen, Heinz, Klaus, Martin, Michael, Rolf, Peter, Ulrich, Ulli, Uwe, Walter, Wilhelm/ Willi, Wolfgang und andere. Bei den Mädchen waren es Agnes, Angela, Angelika, Barbara/ Bärbel, Christine/ Christa, Edeltraut, Elvira, Evelyn, Gisela, Karin, Lieselotte/ Lotte, Maria, Susanne, Ute/ Uta, Ulrike, Waltraud und so weiter.Die Vornamen der Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten waren wieder anders, ob Alois oder Josefine, ob Luise oder Heinrich, ob Alma oder Ambrosius oder Emma oder Erich und viele, viele andere. So haben alle Jahre wieder verschiedene alte und neuere Namen Saison, meist so, wie es der Zeitgeist gerade vorgibt. 





Ein Schnitt durch viele Jahre.  Die  Glückaufstraße am Rosterberg war die ersten Nachkriegsjahre nicht geteert, und es fuhren so gut wie keine Autos - ideal zum Spielen oder zur Ausfahrt mit dem ersten Dreirad, das sogar Kettenantrieb hatte! Die Straße  mit den Lindenbäumen, heute Philippshoffnung, ist schon länger Teil der Tempo-30-Zone.


Im Wännchen auf der Wiese

Als wir noch klein waren und uns weder Kindergarten noch Schule zeitlich ausbremsten, krabbelten wir auf der Wiese neben dem Haus oder konnten auf einer Decke liegen. Wiese und Garten als Kleinkinderhort. Zum Teil gab es auch noch übrig gebliebene Zeltplanen mit militärischem Tarnmuster und mit in Metall eingefassten Ösen an den Ecken. So konnten uns die Eltern auch ein kleines Zelt als Sonnenschutz bauen. In der Erinnerung gab es gefühlt oft Sonne, und doch waren die Sommer wie heute, mal heiß bis um die 30 Grad, mal kühl und verregnet und auch mit Gewittern durchsetzt. Alles hatte seine Reize.
Schien nun die Sonne fleißig vom Himmel, stellten die Eltern vormittags ein Zinkwännchen auf die Wiese, füllten es mit Wasser, das dann von der Sonne angenehm gewärmt wurde. Dann aber wurde es Zeit für uns Kleinen, uns hineinzusetzen, zu planschen und zum Nachbarwännchen zu spritzen, kurz: Wir waren quietschfreudig bei diesem Wasserspaß. Das mutet nicht nur im verklärten Rückblick wie ein kleines Idyll an. Die Wiesen neben den Häusern, teils mit Wäschestangen ausgerüstet, dienten daher auch zum Trocknen der Wäsche und zum Bleichen. Betttücher und Co., früher meist nur in Weiß, lagen einige Zeit unterm Sonnenlicht auf der Wiese. So mancher wird sich noch an den angenehmen Geruch nach Sonnenluft und Natur dieser frischen Bettwäsche erinnern. Schon etwas größer, schossen wir auf der Wiese auch einen Gummiball hin und her und schauten bei den Stachel- und Johannisbeeren. Wir bekamen die elterlichen Anweisungen, keine grünen, unreifen Beeren zu essen, weil das wohl dem Bauch nicht gut bekommen würde, und uns vom Ginster fernzuhalten. Da wären Ginsterböcke drin, die sich in die Haut bohrten und Krankheiten übertragen könnten. Heute sind diese Tierchen als Holzböcke oder insgesamt als Zecken bekannt und gefürchtet.


 


Die Wiese, früher kein Rasen, sondern richtige Wiese, war mit Wäschestangen und Leinen bestückt. Die Mütter hingen dort die Wäsche auf. Die Wiese, an die sich der Garten anschloss, wurde auch zum Bleichen genutzt.   

Auszählreime und viel Bewegung

Unsere Wohn- und für uns zugleich Spielstraße war die ersten Jahre nicht geteert. Es war ein gestampfter Erdbelag, aus dem hier und da Andersfarbiges an die Oberfläche kam. Schlackenstücke, teils mit „goldenen“ Glanzpunkten vom Erz. Erst später kam Teerbelag. Aber für uns war sie so oder so stets „Spielstraße“.
Kriegel und Verstecken, bei auch uns „Versteckel“ genannt, waren Hauptpunkte, hin und wieder Hock. Zu den „Geländespielen“ gehörte Räuber und Gendarm. Da schlichen wir uns auch durch fremde Gärten, wo es in der Nachbarschaft die weißwolligen Angora-Kaninchen zu sehen gab. 



Apfelbäume, hier zur besseren Fruchtansicht montiert,  und Birnbäume gab es in vielen Gärten. Das frische Obst war knackig, fruchtig, lecker. 


 „Vater wie weit darf ich reisen“ und „Ochs am Berge eins, zwei, drei“ gehörten ebenso dazu wie das Kreiselspiel mit Ab- oder Auszählreimen wie „Ich und du, Müllers Kuh, Müllers Esel, der bist du“. Letzterer musste in diesem Fall aus dem Kreis austreten. So ging es reihum mit immer wieder anderen Abzählreimen, zum Beispiel „Eene, meene, muh, und aus bist du“, bis ein Junge oder Mädchen übrig blieb. Dieses Auszählen stand meist vor einem Spiel, sodass das letzte nicht ausgezählte Kind beginnen konnte. Für uns bedeutete das alles „Bewegung pur“. Wir waren nahezu tagtäglich draußen, „an der frischen Luft“, wie man damals sagte, wobei diese Kombination aus Bewegung und frischer Luft durchaus ein Balsam für den Körper war und ist. Was sind wir gerannt und gesprungen und wie haben wir das Miteinander gepflegt – heute sagt man „soziale Kontakte“. Und gestritten wurde hin und wieder ebenfalls, was meist aber alsbald im „Sich-Wiedergutsein“ beigelegt wurde. Na klar war auch das ein unbewusster Lerneffekt für die vielen Lebenssituationen, die noch kommen sollten. Im Laufe der Jahrzehnte bekamen wir mit, dass das Leben Ecken und Kanten hat und keineswegs ein langer ruhiger Fluss ist.






Märchen, Spiele und Zahlen
Ein bisschen Regen hielt uns vom Draußenspiel nicht ab. Wenn es aber einen „Schutt“, einen heftigen Regen, gab, ging‘s rein. Mit den Geschwistern und anderen Kindern im Haus fehlte es nicht an Beschäftigung. Die Eltern führten uns auch nach und nach je nach Alter an Spiele heran, ob Mikado oder Schwarzer Peter. Später, als wir schon besser zählen konnten, „Elfer raus“ und Mau-Mau“. Dann kamen Brettspiele hinzu wie der Klassiker „Mensch ärgere dich nicht“ und „Halma“, schließlich „Mühle“ und „Dame“. Für „Schach“ dauerte es noch was. Dafür galt es aber, mit Einweisung des Vaters oder Opas weitere Kartenspiele bis zum Offiziers-Skat für zwei und schließlich Skat für drei Spieler zu lernen. Immer gewinnen konnte niemand, und so ging, was teils ärgerlich und bewegend war, so manches Spiel verloren. Dass das so war, mussten wir uns ebenfalls verinnerlichen, oft verbunden mit der Aussage „Es ist ja nur ein Spiel“. So freuen sich die meisten, wenn sie ein Spiel gewonnen haben, viele andere wussten bald, dass man ein Spiel eben auch verlieren kann. Und stets dann, wenn man spielt, um zu spielen und nicht Tabellenplätze und Entlohnungen wichtig sind, ist es einfach so. Neuer Tag, neues Spiel! Fertig.



Hä, wat iss? Klaro, man war auch als Kind nicht immer gut drauf!


Nun lernten die Eltern den Kindern nicht nur solche Spiele, sondern begannen altersgerecht damit, dem Nachwuchs Zahlen beizubringen und die Uhr zu erläutern. Das klappte gut, schließlich war es eine Herausforderung und entsprach dem Wunsch, selbst etwas entziffern zu können. Uns erzählte Vater in lebendiger Weise oft abends vor dem Einschlafen viele märchenhafte Geschichten, von „Hänsel und Gretel“ bis zu „Peterchens Mondfahrt“. Vorgelesen wurde ebenfalls, wobei dann auch schon Buchstaben und kleine Wörter in den kindlichen Kopf kamen – abgerundet durch gemeinsame Spaziergänge, bei denen wir zum Beispiel so nebenbei lernten, eine Eiche von einer Birke zu unterscheiden oder am Ameisenhügel mehr über die fleißigen Gesellen zu erfahren. Toll, der Vater baute aus kleinen Baumästen eine Flöte und zeigte uns - und später den Enkeln - wie es ging. Das war alles nur wunderschön und bereitete uns gleichzeitig auf die Schule vor. Auch wenn uns die Wissenschaft es uns „logisch“ erklären will, ist es doch ein faszinierendes Wunder, wie die „kleinen Köpfe“ die Dinge aufnehmen und verarbeiten und bald selbst Zusammenhänge herstellen und Sätze sprechen können, die uns oftmals staunen lassen. Von dieser Urkraft und Entwicklung des Lebens sind nicht nur Menschen bedacht, sie zieht sich als wundersam durch die gesamte Natur.





Spaziergänge mit den Eltern, bei denen wir viel über die Natur erfuhren,  gab es sonntags fast immer, oft auch mit befreundeten Familien. In den 50ern gehörte es dazu, "richtig", also sonntäglich, angezogen zu sein! Kinderbekleidung ging früher oft von älteren Geschwistern oder auch aus dem weiteren Familienkreis auf die jüngeren Kinder über. In der Woche waren wir ebenfalls ab und zu mit Mutter und anderen unterwegs. Unsere Wohnlage, wie vielfach im Siegerland,  bescherte uns Wald ringsum.


Der Eismann kommt
Italiano“ - so Mitte der 1950er klingelte es an manchen Tagen laut in den Straßen. Das war der Eismann. Er kam auf einem Fahrrad, an dem ein etwas größerer Behälter montiert war. Heute heißt so etwas „Lasten-Bike“. Die Klingel war laut, und er rief „Gelati, Gelati, Eis!“ Perfekte Nahversorgung, die nicht nur den Kindern, sondern auch Erwachsenen gefiel. Ein Hörnchen mit einer Kugel kostete einen Groschen, also zehn Pfennige – als es die gute D-Mark noch gab. 


Leckeres Eis gab es bis in die Straße, wenn der Eismann kam. Die Hörnchen waren verschieden. Bei nur einer Kugel fiel es etwas einfacher und weniger knusprig aus. 


Mehrere Kugeln setzte er mit der Löffelzange in ein größeres knuspriges Hörnchen. Lecker, und eine Sommerabwechslung, und es schmeckte vorzüglich, ob Vanille, Schoko, Erdbeere oder Zitrone. Italiener sind dafür bekannt, dass sie gutes Speiseeis machen können, ob in Sizilien oder in dieser bekannten Eisregion in Südtirol. In Siegen gab es irgendwann in Bahnhofsnähe „Dolomiti“, wo wir uns hin und wieder einmal ein Hörnchen zum Mitnehmen gönnten – heute wohl „Eis to go“. Gut, dass wir auch noch Deutsch sprechen können. Ein alter Bekannter, ein Italien-Freund, hatte uns das Dolomiti empfohlen. Nach und nach gab es mehr dieser "Eis-Salons". Wir sagten damals „Eisdiele“ dazu.



Im Kindergarten und fern der Heimat
Obwohl es in unserem großen Wohnviertel am Siegener Rosterberg bereits Anfang der 1950er-Jahre einen Kindergarten gab, waren doch viele der noch nicht schulpflichtigen Kinder zu Hause. Manche waren wie ich nur wenige Wochen dort. Hintergrund war, dass die meisten Mütter zu Hause waren, wenn sie auch in den vorherigen Jahren einen Beruf erlernt oder – gut angelernt – beruflich tätig gewesen waren. Wie später die Schule war auch der Kindergarten leicht zu Fuß zu erreichen. Mit einer kleinen Umhängetasche zogen wir los und lernten dabei auch wieder andere Kinder kennen.
In den Häusern schräg gegenüber wohnten belgische Familien, weil Siegen damals noch von fremden Streitkräften besetzt war. Belgische Soldaten kamen manches Mal an die Kindergartenmauer, grüßten freundlich, schauten und warfen hin und wieder Kaugummipäckchen zu uns. Gut! Es waren schließlich Familien wie wir, und, so nehme ich an, wären auch sie lieber wieder an ihrem Heimatort gewesen. Schließlich ist Heimat etwas Besonderes und Schönes, und sie weckt Erinnerungen, am meisten wohl bei denen, die nicht mehr in ihrer Heimat leben, sie aber meist doch ein Leben lang im Kopf behalten, selbst, wenn sie eine „neue Heimat“ gefunden haben. Nicht umsonst wird „Heimat“ in so vielen Liedern besungen. Sie kann eine bestimmte Örtlichkeit, ein Ort, eine Region oder ein Land sein. So fallen die Definitionen, Erklärungen, nach eigenem Empfinden teils auch unterschiedlich aus.





Der Kindergarten in der unteren Gläserstraße - ein aktuelles Foto - wurde mittlerweile beträchtlich erweitert. Bei uns spielte sich das im hinteren gemauerten Bereich mit der anderen Fassade und dem Freigelände dahinter ab. Zur Begrenzung unten kamen hin und wieder nette Belgier, die in Nachbarhäusern wohnten und uns Kaugummi zuwarfen. 


In Siegen hat es noch viele Jahre gedauert, bis die Belgier abzogen, die ihre Kasernen auf dem Wellersberg und am Heidenberg hatten. Auf dem Wellersberg hieß das „Quartier Pepinster“. Ich staune jedes Mal neu, wenn die Politik heute und teils auch Sozialverbände ein eingesessenes Wohngebiet, ein Wohnviertel, als „Quartier“ bezeichnen. Es gibt genug normale Bezeichnungen dafür. Das nur am Rande. Den schön gelegenen Kindergarten oberhalb der Eintracht, in der unten die Siegerlandhalle steht, gibt es noch heute. Er ist durch Anbauten nun viel größer als damals. Diese Eintracht mit ihren alten Bäumen und Wegen war früher für uns hin und wieder auch ein Spielgebiet. Sie ist, auch aus alten Zeiten mit dem Löschteich, ein Stück Heimat. Wenn sie auch jeder anders erlebt oder heute aus welchen Gründen auch immer woanders lebt, so bleibt das, was man für sich als Heimat entdeckt hat und im Innern fühlt, nach wie vor in der Erinnerung, und zwar zumeist als "schöne Zeit".  (Jürgen Weller)

Ergänzt 19. 7. 2018

Im nächsten Teil geht es um Bekleidung, Fußball intensiv und Co., Schulbesuch und Radeln. 



Themen zum Siegerland bis hin zur großen Mundartliste finden Sie immer – ohne Anmeldung aufzurufen – auf 
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Donnerstag, 17. Mai 2018

Frühling: Flieder-Erinnerungen




Ein kräftiges Fliederrot und unverkennbarer Duft wecken Erinnerungen an die Tage der Kindheit.



Von Georg Hainer
Wenn ich im Frühling den Gartenweg am Haus gehe, dann strömt der lieblich-verführerische Duft blühenden Flieders in die Nase. Das eröffnet mir ein kleines Fenster der Erinnerung an meine Kindheit, weil sich einstens auch bei Oma rund um ihr von Wiesen, Obstbäumen, Blumen und Sträuchern umgebenen Häuschen das Frühjahr in voller Pracht zeigte. Der Flieder mit seinem betörenden Duft gehörte dazu. Oma und Mutter liebten das, und so zwackten sie den weißen und dunkel-fliederfarbenen Sträuchern ein paar wenige Ästchen zur Dekoration des Heims und zur Duftverbreitung ab. Daher war es eine gute Fügung, dass Jahre später auch im Garten unserer damals jungen Familie und noch heute duftender Flieder die Sinne erfreute und erfreut und so Vergangenheit und Gegenwart eint, die Zeiten früher und den Alltag heute.



Im Garten heute zeigt sich der wohlduftende Flieder gleich in mehreren Farben. (Fotos/ Montagen: presseweller)


Groß und keck stehen zwei stramme Fliederbüsche im kräftigen Fliederrot auf der linken, zwei kleinere, der eine mit blassrosa Blüten, der andere in strahlendem Weiß, auf der rechten Seite. So verspürt man den Duft nicht nur, wenn man über den Weg in den Garten geht, sondern auch, wenn man im Garten oder auf der Terrasse ist – von allen Seiten wohlig umströmt.

Ist der Duft des Flieders auch etwas Besonderes, so tragen im Frühling natürlich all‘ die anderen Blüher zu einem farbenfrohen Spiel bei, von dunklem bis hellen Rot, über Tief- bis Blassblau und strahlendem Gelb bis zu leicht rötlich durchzogenem Weiß und Schneeweiß. Osterglocken und Narzissen, unterschiedlich kolorierte Tulpen und Pfingstrosen, gelber Löwenzahn sowie weiße Apfel- und Kirschblüten geben sich zu ihrer Zeit ein Stelldichein, als wollten sie sagen: „Schaut her, blühen wir nicht schön und üppig?"  Was für eine vielfältige Farbenwelt, die sogleich so angelegt ist, dass Bienen, Hummeln, Insekten, Schmetterlinge angelockt werden und im wahrsten Sinne des Wortes auf die Blüten fliegen, um vom Nektar zu kosten und Samenstaub weiterzutragen, um der ständigen Erneuerung des Lebens zu dienen, wie es seit den Anfängen ist – das Wunder des Lebens in seinen zahlreichen Facetten.


Hier zeigen sich Tulpen, Pfingstrose und Schwertlilie in ihren "verlockenden" Farben.


Spaziert man durch die Natur, wird das überall gewahr, und selbst, wenn man nur in den Garten geht, den Blumen-, Baum- und Strauchzauber sieht und den Duft von Flieder und Wiesen aufnimmt, regen sich die Sinne zum Sinnieren und eben oft auch zum Erinnern - im ewigen Kreislauf vom Frühling bis zum späten Herbst des Lebens.

(Siegen 2018. Fotos/ Montagen © presseweller, wellSi-made)

Über die Seiten von www.buch-juwel.de können Sie ohne Anmeldung auch den Gedichtband "Jahreszeiten-Träume"  und anderes aufrufen. 

Donnerstag, 12. April 2018

Zeitlos schön - Fachwerk/ Emmer schöar - Fachwerkhüser em Sejerland



Teilansicht: Schönes Fachwerk in Freudenberg, Foto aus 2011. (Foto: presseweller)
Deilaasecht: Schöarnes Fachwerrk uss dm Flecke. Beld va 2011. 



Für Generationen gebaut

Ein Haus-Gerüst in Schwarz und Weiß,
befacht mit festem Reisig-Lehm,
und auf Baumeisters Geheiß
mit so zahlreich Quer-Gerähm.
Fest gebaut in heim'scher Eiche,
die “Nägel” einst aus hartem Holz,
dass es auch dem Wind nicht weiche,
so war das Haus der ganze Stolz.

Jahrhundeıte so manchem Sturm getrotzt,
hier und da ein Spruch ins Holz geritzt,
später ausgebaut und aufgemotzt,
weiß man, was Beständigkeit noch ist.

Ob Hilchenbach und Freudenberg,
in vielen Dörfern noch recht fein,
so schaut man gerne auf das frühe Werk,
soll wohl für “ewig” so gebauet sein.
                                          Georg Hainer

Hinweis: Fachwerkhäuser gibt es überall, in teils anderer
Farbgebung und unterschiedlichem Gefachaufbau. Im Sieger-
land und angrenzenden Gebieten wurde für die Gefachung eine
Masse aus Lehm und Holzreisig gewählt. Die Verbindung der Balken und Ständer erfolgte durch Verzapfungen und Holznägel.
Heute meist restaurierte Fachwerkbauten, teils in ganzen Straßenzügen oder alten Vierteln, sind zum Beispiel in Freudenberg und in Hilchenbach zu sehen. Schöne Fachwerkhäuser gibt es auch vielen Siegerländer Dörfern.


In Mundart
Fachwerk - Schöarnes for Generazione

Dt Huss-Geröst e Schwarz un Wiss// befacht bet festem Reisich-Lähm//
un op Baumeisters Geheiß// bett so zahlreich Quer-Gerähm.
Fest gebaut bet ooser Eiche// de Näel einst woarn uss hartem Holz//
doamet dr Bau dm Wend net weiche,// so woar det Huss dr ganze Stolz.

Joahrhonnerde dm Sturm getrotz// he un doa e Spruch edt Holz geretzt//
späer ussgebaut un opgemotzt// weiß mr, wat Beständigkeit noch ess.

Ob Helchemich, dr Flecke Freudenberch,// e veelen Dörfern noch ganz fein,//
so guckt mr gern opdt fröhe Werk,// sall for de Ewichkeit gebaut wurrn sinn.
                                                                                                  Georg Hainer

Hinweis: Fachwerkhüser gerret üwerall, deils e anneren Farwe un onnerscheedlichem Gefachopbau. Em Sejerland un ahgenzenden Gebeeren wuur for de Gefachung ne Masse uss Lähm un Holzreisich genomme. Balke un Ständer wuurn met Verzapfunge und Holz-Näel verbonne.
Heut meist restaurierte Fachwerkbaude, deils ganze Stroaßezöje or aale Vierdel, sinn zom Beispiel e Freudenberch un Helchemich zo seh. Schöarne Fachwerkhüser gerret och e veele Sejerlännern Dörfern.

Dienstag, 20. März 2018

Ostern früher: Der Hase leistete gute Arbeit



Eier im Garten – manches Mal bei Schnee - suchen




Zur Osterzeit gibt es überall schöne und teils üppige Dekorationen. (Fotos/ Repros: (c) presseweller)

Im März 2018. Bis heute scheint sich der Spruch von Mutter, Vater, Oma oder Opa an die Kinder gehalten zu haben: „Komm schnell ans Fenster, der Osterhase!“ Waren wir dann flugs da, hieß es dennoch: „Schade, er ist gerade um die Ecke.“ Die Enttäuschung hielt sich in Grenzen, weil er zumindest wohl die Nester gefüllt hatte. Wenn nach dem Winter das Osterfest nahte, war das für uns Kinder und auch für die Eltern und Erwachsenen eine besondere Zeit. Der Frühlingsanfang war gemacht. Ostern kam mal etwas früher und mal etwas später. So war das Wetter längst nicht immer verlässlich. Manchmal mussten wir die Eier im Schnee suchen. Da war es praktisch, dass sie bunt gefärbt waren, und die zuständigen Hasen mit ihrer Mannschaft ganze Arbeit geleistet hatten. Oft aber schon strahlte auch die Sonne, und wir suchten die grünen Moosnester voller Eiern zwischen blühenden Krokussen, den letzten Schneeglöckchen und Büschen. Und dieses „Spiel“ des Suchens hat sich bis heute erhalten, weil unsere Freunde und wir es mit unseren Kindern ebenso hielten, und die es nun wiederum in ihren Familien weiterhin pflegen. Wie schön.




Im ewigen Kreislauf des Lebens legt sich die Natur im Frühling ein buntes Kleid an. 


Zu Ostern hat sich die Natur bereits ein grünes Kleid angelegt, und wenn die Sonnenstrahlen über blaue Krokusse und andere Frühjahrsblüher springen, dann wärmt das die Herzen und bringt tief drin Freude und Zufriedenheit. So oft ist der Frühling besungen und bedichtet, um dem Blühen und Grünen und den aufflammenden neuen Gefühlen nach dem vielleicht harten, aber meist zumindest kalten Winter Auftrieb zu geben. Auch in diesem Jahr wird er dringend erwartet, nachdem Väterchen Frost noch in der 3. Märzwoche heftig unterwegs war, eisiger Wind inklusive. Aber, wir halten es mit Emanuel Geibel, bei dem es im Gedicht heißt … es muss doch wieder Frühling werden …!, und Eduard Mörike „Frühling lässt sein blaues Band ...“. So hoffen wir wie früher und freuen uns auf Ostern.


Mit künstlichem Moos ist das Osternest auf dem Tisch dekoriert.



Moos sammeln
In der Vorwoche zum großen Christenfest ging es mit Mutter oder Eltern in den Wald, um Moos zu holen. Das bildete mit seinem Dunkel-bis-Hellgrün und der weichen, angenehm zu fassenden Struktur schließlich die Grundlage für die so ausgepolsterten Nester. Noch mehr als in den Gärten begleitete uns im Wald von allen Seiten das Vogelgezwitscher, mal aus den hellgrünen Birken, den Buchen und Eichen und mal aus den dunklen Fichten und Tannen, die sich ehedem noch mit ihren schneebedeckten Zweigen als wahre „Weihnachtsbäume“ gezeigt hatten. Für die Vogelschar, die schon einige Zeit wieder aus dem Süden zu uns zurückgefunden hatte, hieß es: Nester bauen. Schließlich soll es der Nachwuchs gemütlich haben. Zu Hause war österlich dekoriert, mit grünen Zweigen, Hasenfiguren und ab und zu mit bunten, ausgeblasenen Eiern. Später standen dann ab und zu auf einem Bord auch Figuren der „Häschenschule“. Schule war auch für die Schulkinder wichtig. Früher stand Ostern noch wegen eines anderen Termins im Gedächtnis: Vor den Ferien gab's die „Versetzungs-Zeugnisse“, die „Giftblätter“.



Karfreitag, "dunkler" Kreuzigungs- und stiller Feiertag. Bald aber schon erhellt sich die Welt wieder. Auferstehung!


Ruhige Tage mit Kirchgang
In der Karwoche ging es zu Hause ruhiger zu, vor allem ab Gründonnerstag. Viele hatten bereits seit Aschermittwoch gefastet. Manche Spielfreunde verzichteten in dieser Zeit auf Klümpchen, Bonbons. Besonders von Gründonnerstag bis Karsamstag hieß es in vielen Familien „Schmalhans Küchenmeister“. Ohnehin standen in den 1950er-Jahren während der Woche meist keine üppigen Fleischspeisen auf dem Essensplan. Vor dem Ostertag kochte Mutter dann zum Beispiel Spinat und Kartoffeln mit Eiern, an Karfreitag gab es meist gebratenen Fisch. Den konnte man donnerstags im nahen Konsum holen. Manche gingen Karfreitag und an Ostern in die Kirche, die meisten zumindest am Osterfeiertag. Man gesellte sich mit Nachbarn zum Kirchgang. Die Dunkelheit und Stille zum Kreuzigungsgeschehen in Golgatha war gewichen, das Leben hatte über den Tod gesiegt, wie es uns unser abendländischer Glaube seit Generationen gelehrt hat. Auferstehung! In den Gesichtern der Gottesdienstteilnehmer stand Freude, sie strahlten Güte und Wärme aus.
Wir Kinder hatten schon vor dem Kirchgang die Nester gesucht und die bunte Eier-Vielfalt eingesammelt. In späten Jahren war auch manchmal ein Schokoladen-Ei oder -Osterhase dabei.



Noch ist es frisch beim Frühlingsspaziergang.



Spaziergänge und Besuche
Ostern waren Tage im sonntäglichen Glanz. Alle waren festtagsgemäß, sonntäglich, gekleidet. Die Frauen und Mädchen in Kleidern oder Blusen und Röcken, die Jungs und Männer in Anzügen oder Kombinationen mit teils hellen oder weißen Hemden und meist Krawatte. Nein, mit Jeans und Co. war kaum jemand unterwegs. Festtäglich eben. Schön, feierlich, gut.
Alleine in der Familie oder mit guten Bekannten gab es gemeinsames Kaffeetrinken mit Obstboden, Torte und Marmorkuchen. Oft schloss sich ein Spaziergang durch den nahen Wald an. Wie heute noch gepflegt, fanden wir Kinder hinter diesem und jenem Baum oder Busch noch bunte Eier. Der Osterhase ist eben fleißig!
Am anderen Feiertag ging es zu Besuch bei den Großeltern, wo teils auch die Tanten und Onkels mit Familien in der Nähe wohnten. Da gab es dann für uns Kinder nochmals bunte Eier und für alle Nachmittagskuchen und gemütliches Beisammensein. Wir Kinder, die Lotte, Susanne, der Lothar, Heinz, der Wolfgang und … und … waren außerdem mit Eier-Dippen, -Detschen, -Kippen, Eier-Weitwurf und -Hochwurf über die Wäscheleine beschäftigt. Welches Ei ist am stabilsten? Zerborstene mussten an den „Sieger" abgegeben werden. Aber das war ein Hin und Her und hat Spaß gemacht. Alles das sorgte für erfüllte Festtage, die uns am nächsten Tag wieder unbeschwerter in den Alltag eintauchen und uns andere fragen ließen: „Hattet ihr schöne Ostern?“, worauf es meist ein zufriedenes „Ja!“ gab.



Kunterbunte Eierwelt aus der Hasenwerkstatt.



Ostern und Frühling
Wie ist das schön, wenn wir Menschen an Ostern sowie anderen Festtagen einmal ein gutes Stück des Alltags hinter uns lassen. Uralte Bräuche und Feste sowie der Name der germanischen Frühlingsgöttin Ostera werden zur Erklärung für das Wort Ostern herangezogen. Eier stehen für die Fruchtbarkeit, wenn auch die Hühner als Produzenten eher im Hintergrund bleiben. Der Hase hat ihnen die Schau „gestohlen“. Und über allem steht der Frühling, der für neues Leben und Erneuerung der Natur steht, jahrein, jahraus. Er beschert uns, ob zur Kinderzeit oder heute, stets das Wiedererwachen der Natur, taucht Landschaften in ein mildes Grün und bunte Blumenfarben. Er zaubert ein Lächeln auf unsere Gesichter, verschafft dem Leben neuen Atem und zeigt das Wunderwerk Natur in wieder neuem Glanz, zeugt von den Geheimnissen allen Lebens.      Jürgen Weller

...........Fotos aus verschiedenen Jahren. Jürgen Weller berichtet seit Jahren über Feiertage und zu Siegerländer Leben. Über die Homepage www.buch-juwel.de sind Magazine und Poster abrufbar, außerdem gibt es eine umfangreiche Mundartliste in "Siegerländer Platt", die ohne Anmeldung aufgerufen werden kann. "Siegerländer Mundart2 ist lexikonartig aufgebaut - mit Übersetzung und teils mit kurzer Erläuterung. .......... 

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Weihnacht ist's




Schnee, ein Baum mit Lichterschmuck leuchtet dezent in den Abend: Weihnacht. (Foto: presseweller)




Flockenwirbel überm Wald,
ein Stern so hell und klar,
Weihnacht ist es bald,
denke dran, wie's früher war.

Glänzend schön die Tann geschmückt,
Vergangenes auf einmal nah,
für ein'n Moment die Zeit entrückt,
die Weihnacht ist jetzt da!

                                 Georg Hainer


Über die Seiten von www.buch-juwel.de können Sie immer jahreszeitliche Themen, bis zum Gedichtband,und Magazine aufrufen. Für Siegerländer gibt es aktuell das 8-seitige Magazin "Et ess Chresdach" mit Mundartbeiträgen, einschließlich Übersetzung.  

Mittwoch, 15. November 2017

Ein Blick zum Himmel: Totengedenktage


Memento Mori, gedenke des Todes, so ist es hier und da auf Friedhöfen zu lesen. Nach Allerheiligen kommen jetzt noch Volkstrauertag und Totensonntag. (Abbildung: wellSi-made)

Friedhofsbesuche von Allerheiligen und Allerseelen bis zum Totensonntag


15. November 2017. Siegen (DiaPrw). So manche werden sich noch an ihre Kindheit erinnern, an denen es zu den Totengedenktagen mit den Eltern zum Friedhof ging. Bei uns war das aufgeteilt: an Allerheiligen auf den Westerwald, an Totensonntag in die Hermelsbach und ins Freudenberger Land. Die Gräber wurden geschmückt, der Verstorbenen gedacht. Abends leuchteten die Lichter von den Friedhöfen, trugen bei allen dunklen, traurigen Gedanken Helle in die Welt, dass Licht des Lebens. Stille Tage waren es bei uns allemal.
Tage zum offiziellen Gedenken an die Verstorbenen sind ein schon lange gepflegter Brauch. Die kirchlichen Feiertage stehen neben den ganz persönlichen Gedenktagen für verstorbene Angehörige wie Geburtstag und Sterbetag. In der katholischen Kirche sind der 1. und 2. November, Allerheiligen und Allerseelen, feste Termine zum Totengedenken. Bei den evangelischen Christen ist es der heute Ewigkeitssonntag genannte Totensonntag, der stets auf einen Sonntag fällt und in diesem Jahr am 26. November begangen wird. Er ist ein so genannter beweglicher Feiertag wie der Tag des Gedenkens an die Toten der Kriege und von Gewaltherrschaft, der staatliche Feiertag, der Volkstrauertag. Er wird in diesem Jahr am Sonntag, 19. November, begangen.

Gedenke des Todes
Hier und da finden sich auf Inschriften am Friedhof die zwei lateinischen Worte Memento Mori, gedenke des Todes oder, freier, besinne dich des Todes. Schließlich läuft das Leben ab der Geburt dem Ende zu. Die einen müssen früher „gehen“, und wir meinen oft „viel zu früh“, wenn wir an nächste Angehörige denken, andere später. Das Erdenleben ist begrenzt. Unserem christlichen Glauben nach gilt aber das „Weiterleben nach dem Tode“. So ist das irdische Ende nur der Übergang in den Himmel, in die Ewigkeit. So kennen wir es aus dem Worte Jesu im Johannes-Evangelium: „… Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe.“

Sicher, längst nicht jeder glaubt an diese Worte. Aber die meisten werden im persönlichen Umfeld zumindest miterleben, dass Verstorbene nicht vergessen ist, sondern in unseren Herzen, besser im Kopf, im Gedächtnis, weiterleben. Weil man sich in bestimmten Situationen an frühere Tage erinnert oder im Kreise von Bekannten und Verwandten sagt: „Weiß Du noch, wie unsere Mutter – hier stellvertretend für alle anderen – das damals gemacht hat?“ Und ist es auch nicht Weihnachten so, dass wir diese mit vielen Erinnerungen an früher verbinden? Schön! (jw)