Freitag, 13. Juli 2018

Die Sommer der Kindheit in Siegen


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Teil 1

Sonnen, im Wännchen planschen und spielen

Was war das für eine Zeit für uns Kinder, die 1950er- und 60er-Jahre! Oh nein, nacherleben können wir sie nicht mehr, sondern nur aus der Erinnerung hervorkramen, was ein inneres Strahlen auslöst, das Glück in den Kopf und manches Mal ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Schon unsere Kinder lebten in einer anderen Welt, die zwar behütet, aber doch so anders war, als in dieser Nachkriegszeit, in der für die Normalbevölkerung die Einkommen nicht üppig waren, aber leben ließen. Die Eltern fielen in diesen Aufschwung hinein, den man „Wirtschaftswunder“ nennt. Waren die Eltern und Großeltern froh, den schlimmen Krieg überstanden zu haben, freuten wir uns, die kurz vor 1945 und danach geborenen Kinder, unsere Kindheit ausleben zu können. Ähnlich wie hier wird es wohl überall im Siegerland und in anderen Regionen gewesen sein, in dieser etwas anderen Aufbruchzeit.



Teil-Silhouette von Siegen mit dem Wahrzeichen, dem Krönchen auf der Nikolaikirche in der Oberstadt. (Alle Fotos/ Repros (c) presseweller)


Die meisten aus meinem Umfeld hatten eine frohe und schöne Kindheit, wie es sich damals darstellte und im Umgang zu erfahren war, und wie es die Erinnerung nochmals blumiger macht. Man bekam ehedem durchaus mit, dass manche Väter noch mit leichten und auch schwereren Kriegsverletzungen zu tun hatten und Mütter ab und an unter sich oder bei Familientreffs erzählten, wie beklemmend es gewesen sei, bei Alarm wegen Bombenangriffen in den Bunker gehen zu müssen. Aber damit waren wir Kinder in unserem Spieldrang nicht belastet. Es war einfach schön, dass wir zu vielen etwa gleichaltrigen Kindern in der Straße, in Nachbarstraßen und im Wohnhaus waren. Da ließ sich so einiges unternehmen, das, was Kinder in aller Welt gerne tun: unbeschwert spielen und erkunden.


Namensvielfalt

Wir trafen uns auf der Straße, Mädchen und Jungen. Sie trugen die damals üblichen Namen, die zum Teil seit wenigen Jahren wieder aktuell sind: Alexander, Bert(h)old, Christian, Dieter, Eberhard, Joachim, Jürgen, Heinz, Klaus, Martin, Michael, Rolf, Peter, Ulrich, Ulli, Uwe, Wilhelm/ Willi, Wolfgang und andere. Bei den Mädchen waren es Agnes, Angela, Angelika, Barbara/ Bärbel, Christine/ Christa, Edeltraut, Elvira, Evelyn, Gisela, Karin, Lieselotte/ Lotte, Maria, Susanne, Ute/ Uta, Ulrike, Waltraud und so weiter. So haben alle Jahre wieder verschiedene alte und neuere Namen Saison, meist so, wie es der Zeitgeist gerade vorgibt.






Ein Schnitt durch viele Jahre.  Die  Glückaufstraße am Rosterberg war die ersten Nachkriegsjahre nicht geteert, und es fuhren so gut wie keine Autos - ideal zum Spielen oder zur Ausfahrt mit dem ersten Dreirad, das sogar Kettenantrieb hatte! Die Straße  mit den Lindenbäumen, heute Philippshoffnung, ist schon länger Teil der Tempo-30-Zone.

Im Wännchen auf der Wiese

Als wir noch klein waren und uns weder Kindergarten noch Schule zeitlich ausbremsten, krabbelten wir auf der Wiese neben dem Haus oder konnten auf einer Decke liegen. Wiese und Garten als Kleinkinderhort. Zum Teil gab es auch noch übrig gebliebene Zeltplanen mit militärischem Tarnmuster und mit in Metall eingefassten Ösen an den Ecken. So konnten uns die Eltern auch ein kleines Zelt als Sonnenschutz bauen. In der Erinnerung gab es gefühlt oft Sonne, und doch waren die Sommer wie heute, mal heiß bis um die 30 Grad, mal kühl und verregnet und auch mit Gewittern durchsetzt. Alles hatte seine Reize.
Schien nun die Sonne fleißig vom Himmel, stellten die Eltern vormittags ein Zinkwännchen auf die Wiese, füllten es mit Wasser, das dann von der Sonne angenehm gewärmt wurde. Dann aber wurde es Zeit für uns Kleinen, uns hineinzusetzen, zu planschen und zum Nachbarwännchen zu spritzen, kurz: Wir waren quietschfreudig bei diesem Wasserspaß. Das mutet nicht nur im verklärten Rückblick wie ein kleines Idyll an. Die Wiesen neben den Häusern, teils mit Wäschestangen ausgerüstet, dienten daher auch zum Trocknen der Wäsche und zum Bleichen. Betttücher und Co., früher meist nur in Weiß, lagen einige Zeit unterm Sonnenlicht auf der Wiese. So mancher wird sich noch an den angenehmen Geruch nach Sonnenluft und Natur dieser frischen Bettwäsche erinnern. Schon etwas größer, schossen wir auf der Wiese auch einen Gummiball hin und her und schauten bei den Stachel- und Johannisbeeren. Wir bekamen die elterlichen Anweisungen, keine grünen, unreifen Beeren zu essen, weil das wohl dem Bauch nicht gut bekommen würde, und uns vom Ginster fernzuhalten. Da wären Ginsterböcke drin, die sich in die Haut bohrten und Krankheiten übertragen könnten. Heute sind diese Tierchen als Holzböcke oder insgesamt als Zecken bekannt und gefürchtet.


 


Die Wiese, früher kein Rasen, sondern richtige Wiese, war mit Wäschestangen und Leinen bestückt. Die Mütter hingen dort die Wäsche auf. Die Wiese, an die sich der Garten anschloss, wurde auch zum Bleichen genutzt.   

Auszählreime und viel Bewegung

Unsere Wohn- und für uns zugleich Spielstraße war die ersten Jahre nicht geteert. Es war ein gestampfter Erdbelag, aus dem hier und da Andersfarbiges an die Oberfläche kam. Schlackenstücke, teils mit „goldenen“ Glanzpunkten vom Erz. Erst später kam Teerbelag. Aber für uns war sie so oder so stets „Spielstraße“.




Manchmal funkelte Erz aus dem Boden, hier schematisch. 


Kriegel und Verstecken, bei auch uns „Versteckel“ genannt, waren Hauptpunkte, hin und wieder Hock. Zu den „Geländespielen“ gehörte Räuber und Gendarm. Da schlichen wir uns auch durch fremde Gärten, wo es in der Nachbarschaft die weißwolligen Angora-Kaninchen zu sehen gab.  „Vater wie weit darf ich reisen“ und „Ochs am Berge eins, zwei, drei“ gehörten ebenso dazu wie das Kreiselspiel mit Ab- oder Auszählreimen wie „Ich und du, Müllers Kuh, Müllers Esel, der bist du“. Letzterer musste in diesem Fall aus dem Kreis austreten. So ging es reihum mit immer wieder anderen Abzählreimen, zum Beispiel „Eene, meene, muh, und aus bist du“, bis ein Junge oder Mädchen übrig blieb. Dieses Auszählen stand meist vor einem Spiel, sodass das letzte nicht ausgezählte Kind beginnen konnte. Für uns bedeutete das alles „Bewegung pur“. Wir waren nahezu tagtäglich draußen, „an der frischen Luft“, wie man damals sagte, wobei diese Kombination aus Bewegung und frischer Luft durchaus ein Balsam für den Körper war und ist. Was sind wir gerannt und gesprungen und wie haben wir das Miteinander gepflegt – heute sagt man „soziale Kontakte“. Und gestritten wurde durchaus auch hin und wieder, was meist aber alsbald im „Sich-Wiedergutsein“ beigelegt wurde. Na klar ist auch das ein unbewusster Lerneffekt für die vielen Lebenssituationen, die noch kommen sollten. Im Laufe der Jahrzehnte bekamen wir mit, dass das Leben Ecken und Kanten hat und keineswegs ein langer ruhiger Fluss ist.





Märchen, Spiele und Zahlen
Ein bisschen Regen hielt uns vom Draußenspiel nicht ab. Wenn es aber einen „Schutt“, einen heftigen Regen, gab, ging‘s rein. Mit den Geschwistern und anderen Kindern im Haus fehlte es nicht an Beschäftigung. Die Eltern führten uns auch nach und nach je nach Alter an Spiele heran, ob Mikado oder Schwarzer Peter. Später, als wir schon besser zählen konnten, „Elfer raus“ und Mau-Mau“. Dann kamen Brettspiele hinzu wie der Klassiker „Mensch ärgere dich nicht“ und „Halma“, schließlich „Mühle“ und „Dame“. Für „Schach“ dauerte es noch was. Dafür galt es aber, mit Einweisung des Vaters oder Opas weitere Kartenspiele bis zum Offiziers-Skat für zwei und schließlich Skat für drei Spieler zu lernen. Immer gewinnen konnte niemand, und so ging, was teils ärgerlich und bewegend war, so manches Spiel verloren. Dass das so war, mussten wir uns ebenfalls verinnerlichen, oft verbunden mit der Aussage „Es ist ja nur ein Spiel“. So freuen sich die meisten, wenn sie ein Spiel gewonnen haben, viele andere wussten bald, dass man ein Spiel eben auch verlieren kann. Und stets dann, wenn man spielt, um zu spielen und nicht Tabellenplätze und Entlohnungen wichtig sind, ist es einfach so. Neuer Tag, neues Spiel! Fertig.



Hä, wat iss? Klaro, man war auch als Kind nicht immer gut drauf!


Nun lernten die Eltern den Kindern nicht nur solche Spiele, sondern begannen altersgerecht damit, dem Nachwuchs Zahlen beizubringen und die Uhr zu erläutern. Das klappte gut, schließlich war es eine Herausforderung und entsprach dem Wunsch, selbst etwas entziffern zu können. Uns erzählte Vater in lebendiger Weise oft abends vor dem Einschlafen viele märchenhafte Geschichten, von „Hänsel und Gretel“ bis zu „Peterchens Mondfahrt“. Vorgelesen wurde ebenfalls, wobei dann auch schon Buchstaben und kleine Wörter in den kindlichen Kopf kamen – abgerundet durch gemeinsame Spaziergänge, bei denen wir zum Beispiel so nebenbei lernten, eine Eiche von einer Birke zu unterscheiden oder am Ameisenhügel mehr über die fleißigen Gesellen zu erfahren. Toll, der Vater baute aus kleinen Baumästen eine Flöte und zeigte uns - und später den Enkeln - wie es ging. Das war alles nur wunderschön und bereitete uns gleichzeitig auf die Schule vor. Auch wenn uns die Wissenschaft es uns „logisch“ erklären will, ist es doch ein faszinierendes Wunder, wie die „kleinen Köpfe“ die Dinge aufnehmen und verarbeiten und bald selbst Zusammenhänge herstellen und Sätze sprechen können, die uns oftmals staunen lassen. Von dieser Urkraft des Lebens sind nicht nur Menschen bedacht, sie zieht sich als wundersam durch die gesamte Natur.





Spaziergänge mit den Eltern, bei denen wir viel über die Natur erfuhren,  gab es immer sonntags, oft auch mit befreundeten Familien. In den 50ern gehörte es dazu, "richtig", also sonntäglich, angezogen zu sein! In der Woche waren wir ebenfalls ab und zu mit Mutter und anderen unterwegs. Unsere Wohnlage bescherte uns Wald ringsum.


Der Eismann kommt

Italiano“ - so Mitte der 1950er klingelte es an manchen Tagen laut in den Straßen. Das war der Eismann. Er kam auf einem Fahrrad, an dem ein etwas größerer Behälter montiert war. Heute heißt so etwas „Lasten-Bike“. Die Klingel war laut, und er rief „Gelati, Gelati, Eis!“ Perfekte Nahversorgung, die nicht nur den Kindern, sondern auch Erwachsenen gefiel. Ein Hörnchen mit einer Kugel kostete einen Groschen, also zehn Pfennige – als es die gute D-Mark noch gab. Mehrere Kugeln setzte er mit der Löffelzange in ein größeres knuspriges Hörnchen. Lecker, und eine Sommerabwechslung, und es schmeckte vorzüglich, ob Vanille, Schoko oder Zitrone. Italiener sind dafür bekannt, dass sie gutes Speiseeis machen können, ob in Sizilien oder in dieser bekannten Eisregion in Südtirol. In Siegen gab es dann in Bahnhofsnähe „Dolomiti“, wo wir uns hin und wieder einmal ein Hörnchen zum Mitnehmen gönnten – heute wohl „Eis to go“. Gut, dass wir auch noch Deutsch sprechen können. Ein alter Bekannter, ein Italien-Freund, hatte uns das Dolomiti empfohlen. Nach und nach gab es mehr davon. Wir sagten damals „Eisdiele“ dazu.



Der Kindergarten in der unteren Gläserstraße - ein aktuelles Foto - wurde mittlerweile beträchtlich erweitert. Bei uns spielte sich das im hinteren gemauerten Bereich mit der anderen Fassade und dem Freigelände dahinter ab. Zur Begrenzung unten kamen hin und wieder nette Belgier, die in Nachbarhäusern wohnten und uns Kaugummi zuwarfen. 


Im Kindergarten und fern der Heimat

Obwohl es in unserem großen Wohnviertel am Siegener Rosterberg bereits Anfang der 1950er-Jahre einen Kindergarten gab, waren doch viele der noch nicht schulpflichtigen Kinder zu Hause. Manche waren wie ich nur wenige Wochen dort. Hintergrund war, dass die meisten Mütter zu Hause waren, wenn sie auch in den vorherigen Jahren einen Beruf erlernt oder – gut angelernt – beruflich tätig gewesen waren. Wie später die Schule war auch der Kindergarten leicht zu Fuß zu erreichen. Mit einer kleinen Umhängetasche zogen wir los und lernten dabei auch wieder andere Kinder kennen.
In den Häusern schräg gegenüber wohnten belgische Familien, weil Siegen damals noch von fremden Streitkräften besetzt war. Belgische Soldaten kamen manches Mal an die Kindergartenmauer, grüßten freundlich, schauten und warfen hin und wieder Kaugummipäckchen zu uns. Gut! Es waren schließlich Familien wie wir, und, so nehme ich an, wären auch sie lieber wieder an ihrem Heimatort gewesen. Schließlich ist Heimat etwas Besonderes und Schönes, und sie weckt Erinnerungen, am meisten wohl bei denen, die nicht mehr in ihrer Heimat leben, sie aber meist doch ein Leben lang im Kopf behalten, selbst, wenn sie eine „neue Heimat“ gefunden haben. Nicht umsonst wird „Heimat“ in so vielen Liedern besungen. Sie kann eine bestimmte Örtlichkeit, ein Ort, eine Region oder ein Land sein. So fallen die Definitionen, Erklärungen, nach eigenem Empfinden teils auch unterschiedlich aus.
In Siegen hat es noch viele Jahre gedauert, bis die Belgier abzogen, die ihre Kasernen auf dem Wellersberg und am Heidenberg hatten. Auf dem Wellersberg hieß das „Quartier Pepinster“. Ich staune jedes Mal neu, wenn die Politik heute und teils auch Sozialverbände ein eingesessenes Wohngebiet, ein Wohnviertel, als „Quartier“ bezeichnen. Es gibt genug normale Bezeichnungen dafür. Das nur am Rande. Den schön gelegenen Kindergarten oberhalb der Eintracht, in der unten die Siegerlandhalle steht, gibt es noch heute. Er ist durch Anbauten nun viel größer als damals. Diese Eintracht mit ihren alten Bäumen und Wegen, war früher für uns hin und wieder auch ein Spielgebiet. Sie ist, auch aus alten Zeiten mit dem Löschteich, ein Stück Heimat. Wenn sie auch jeder anders erlebt oder heute aus welchen Gründen auch immer woanders lebt, so bleibt das, was man für sich als Heimat entdeckt hat und im Innern fühlt, nach wie vor in der Erinnerung, zumeist zumindest als "schöne Zeit".  (Jürgen Weller)

Im nächsten Teil geht es um Fußball intensiv und Co., Schulbesuch und Radeln.

*Wo möglich, haben wir - meist neuere - Farbfotos verwendet, um die noch vorhandenen Örtlichkeiten zu zeigen. 


Themen zum Siegerland bis hin zur großen Mundartliste finden Sie immer – ohne Anmeldung aufzurufen – auf 

Donnerstag, 17. Mai 2018

Frühling: Flieder-Erinnerungen




Ein kräftiges Fliederrot und unverkennbarer Duft wecken Erinnerungen an die Tage der Kindheit.



Von Georg Hainer
Wenn ich im Frühling den Gartenweg am Haus gehe, dann strömt der lieblich-verführerische Duft blühenden Flieders in die Nase. Das eröffnet mir ein kleines Fenster der Erinnerung an meine Kindheit, weil sich einstens auch bei Oma rund um ihr von Wiesen, Obstbäumen, Blumen und Sträuchern umgebenen Häuschen das Frühjahr in voller Pracht zeigte. Der Flieder mit seinem betörenden Duft gehörte dazu. Oma und Mutter liebten das, und so zwackten sie den weißen und dunkel-fliederfarbenen Sträuchern ein paar wenige Ästchen zur Dekoration des Heims und zur Duftverbreitung ab. Daher war es eine gute Fügung, dass Jahre später auch im Garten unserer damals jungen Familie und noch heute duftender Flieder die Sinne erfreute und erfreut und so Vergangenheit und Gegenwart eint, die Zeiten früher und den Alltag heute.



Im Garten heute zeigt sich der wohlduftende Flieder gleich in mehreren Farben. (Fotos/ Montagen: presseweller)


Groß und keck stehen zwei stramme Fliederbüsche im kräftigen Fliederrot auf der linken, zwei kleinere, der eine mit blassrosa Blüten, der andere in strahlendem Weiß, auf der rechten Seite. So verspürt man den Duft nicht nur, wenn man über den Weg in den Garten geht, sondern auch, wenn man im Garten oder auf der Terrasse ist – von allen Seiten wohlig umströmt.

Ist der Duft des Flieders auch etwas Besonderes, so tragen im Frühling natürlich all‘ die anderen Blüher zu einem farbenfrohen Spiel bei, von dunklem bis hellen Rot, über Tief- bis Blassblau und strahlendem Gelb bis zu leicht rötlich durchzogenem Weiß und Schneeweiß. Osterglocken und Narzissen, unterschiedlich kolorierte Tulpen und Pfingstrosen, gelber Löwenzahn sowie weiße Apfel- und Kirschblüten geben sich zu ihrer Zeit ein Stelldichein, als wollten sie sagen: „Schaut her, blühen wir nicht schön und üppig?"  Was für eine vielfältige Farbenwelt, die sogleich so angelegt ist, dass Bienen, Hummeln, Insekten, Schmetterlinge angelockt werden und im wahrsten Sinne des Wortes auf die Blüten fliegen, um vom Nektar zu kosten und Samenstaub weiterzutragen, um der ständigen Erneuerung des Lebens zu dienen, wie es seit den Anfängen ist – das Wunder des Lebens in seinen zahlreichen Facetten.


Hier zeigen sich Tulpen, Pfingstrose und Schwertlilie in ihren "verlockenden" Farben.


Spaziert man durch die Natur, wird das überall gewahr, und selbst, wenn man nur in den Garten geht, den Blumen-, Baum- und Strauchzauber sieht und den Duft von Flieder und Wiesen aufnimmt, regen sich die Sinne zum Sinnieren und eben oft auch zum Erinnern - im ewigen Kreislauf vom Frühling bis zum späten Herbst des Lebens.

(Siegen 2018. Fotos/ Montagen © presseweller, wellSi-made)

Über die Seiten von www.buch-juwel.de können Sie ohne Anmeldung auch den Gedichtband "Jahreszeiten-Träume"  und anderes aufrufen. 

Donnerstag, 12. April 2018

Zeitlos schön - Fachwerk/ Emmer schöar - Fachwerkhüser em Sejerland



Teilansicht: Schönes Fachwerk in Freudenberg, Foto aus 2011. (Foto: presseweller)
Deilaasecht: Schöarnes Fachwerrk uss dm Flecke. Beld va 2011. 



Für Generationen gebaut

Ein Haus-Gerüst in Schwarz und Weiß,
befacht mit festem Reisig-Lehm,
und auf Baumeisters Geheiß
mit so zahlreich Quer-Gerähm.
Fest gebaut in heim'scher Eiche,
die “Nägel” einst aus hartem Holz,
dass es auch dem Wind nicht weiche,
so war das Haus der ganze Stolz.

Jahrhundeıte so manchem Sturm getrotzt,
hier und da ein Spruch ins Holz geritzt,
später ausgebaut und aufgemotzt,
weiß man, was Beständigkeit noch ist.

Ob Hilchenbach und Freudenberg,
in vielen Dörfern noch recht fein,
so schaut man gerne auf das frühe Werk,
soll wohl für “ewig” so gebauet sein.
                                          Georg Hainer

Hinweis: Fachwerkhäuser gibt es überall, in teils anderer
Farbgebung und unterschiedlichem Gefachaufbau. Im Sieger-
land und angrenzenden Gebieten wurde für die Gefachung eine
Masse aus Lehm und Holzreisig gewählt. Die Verbindung der Balken und Ständer erfolgte durch Verzapfungen und Holznägel.
Heute meist restaurierte Fachwerkbauten, teils in ganzen Straßenzügen oder alten Vierteln, sind zum Beispiel in Freudenberg und in Hilchenbach zu sehen. Schöne Fachwerkhäuser gibt es auch vielen Siegerländer Dörfern.


In Mundart
Fachwerk - Schöarnes for Generazione

Dt Huss-Geröst e Schwarz un Wiss// befacht bet festem Reisich-Lähm//
un op Baumeisters Geheiß// bett so zahlreich Quer-Gerähm.
Fest gebaut bet ooser Eiche// de Näel einst woarn uss hartem Holz//
doamet dr Bau dm Wend net weiche,// so woar det Huss dr ganze Stolz.

Joahrhonnerde dm Sturm getrotz// he un doa e Spruch edt Holz geretzt//
späer ussgebaut un opgemotzt// weiß mr, wat Beständigkeit noch ess.

Ob Helchemich, dr Flecke Freudenberch,// e veelen Dörfern noch ganz fein,//
so guckt mr gern opdt fröhe Werk,// sall for de Ewichkeit gebaut wurrn sinn.
                                                                                                  Georg Hainer

Hinweis: Fachwerkhüser gerret üwerall, deils e anneren Farwe un onnerscheedlichem Gefachopbau. Em Sejerland un ahgenzenden Gebeeren wuur for de Gefachung ne Masse uss Lähm un Holzreisich genomme. Balke un Ständer wuurn met Verzapfunge und Holz-Näel verbonne.
Heut meist restaurierte Fachwerkbaude, deils ganze Stroaßezöje or aale Vierdel, sinn zom Beispiel e Freudenberch un Helchemich zo seh. Schöarne Fachwerkhüser gerret och e veele Sejerlännern Dörfern.

Dienstag, 20. März 2018

Ostern früher: Der Hase leistete gute Arbeit



Eier im Garten – manches Mal bei Schnee - suchen




Zur Osterzeit gibt es überall schöne und teils üppige Dekorationen. (Fotos/ Repros: (c) presseweller)

Im März 2018. Bis heute scheint sich der Spruch von Mutter, Vater, Oma oder Opa an die Kinder gehalten zu haben: „Komm schnell ans Fenster, der Osterhase!“ Waren wir dann flugs da, hieß es dennoch: „Schade, er ist gerade um die Ecke.“ Die Enttäuschung hielt sich in Grenzen, weil er zumindest wohl die Nester gefüllt hatte. Wenn nach dem Winter das Osterfest nahte, war das für uns Kinder und auch für die Eltern und Erwachsenen eine besondere Zeit. Der Frühlingsanfang war gemacht. Ostern kam mal etwas früher und mal etwas später. So war das Wetter längst nicht immer verlässlich. Manchmal mussten wir die Eier im Schnee suchen. Da war es praktisch, dass sie bunt gefärbt waren, und die zuständigen Hasen mit ihrer Mannschaft ganze Arbeit geleistet hatten. Oft aber schon strahlte auch die Sonne, und wir suchten die grünen Moosnester voller Eiern zwischen blühenden Krokussen, den letzten Schneeglöckchen und Büschen. Und dieses „Spiel“ des Suchens hat sich bis heute erhalten, weil unsere Freunde und wir es mit unseren Kindern ebenso hielten, und die es nun wiederum in ihren Familien weiterhin pflegen. Wie schön.




Im ewigen Kreislauf des Lebens legt sich die Natur im Frühling ein buntes Kleid an. 


Zu Ostern hat sich die Natur bereits ein grünes Kleid angelegt, und wenn die Sonnenstrahlen über blaue Krokusse und andere Frühjahrsblüher springen, dann wärmt das die Herzen und bringt tief drin Freude und Zufriedenheit. So oft ist der Frühling besungen und bedichtet, um dem Blühen und Grünen und den aufflammenden neuen Gefühlen nach dem vielleicht harten, aber meist zumindest kalten Winter Auftrieb zu geben. Auch in diesem Jahr wird er dringend erwartet, nachdem Väterchen Frost noch in der 3. Märzwoche heftig unterwegs war, eisiger Wind inklusive. Aber, wir halten es mit Emanuel Geibel, bei dem es im Gedicht heißt … es muss doch wieder Frühling werden …!, und Eduard Mörike „Frühling lässt sein blaues Band ...“. So hoffen wir wie früher und freuen uns auf Ostern.


Mit künstlichem Moos ist das Osternest auf dem Tisch dekoriert.



Moos sammeln
In der Vorwoche zum großen Christenfest ging es mit Mutter oder Eltern in den Wald, um Moos zu holen. Das bildete mit seinem Dunkel-bis-Hellgrün und der weichen, angenehm zu fassenden Struktur schließlich die Grundlage für die so ausgepolsterten Nester. Noch mehr als in den Gärten begleitete uns im Wald von allen Seiten das Vogelgezwitscher, mal aus den hellgrünen Birken, den Buchen und Eichen und mal aus den dunklen Fichten und Tannen, die sich ehedem noch mit ihren schneebedeckten Zweigen als wahre „Weihnachtsbäume“ gezeigt hatten. Für die Vogelschar, die schon einige Zeit wieder aus dem Süden zu uns zurückgefunden hatte, hieß es: Nester bauen. Schließlich soll es der Nachwuchs gemütlich haben. Zu Hause war österlich dekoriert, mit grünen Zweigen, Hasenfiguren und ab und zu mit bunten, ausgeblasenen Eiern. Später standen dann ab und zu auf einem Bord auch Figuren der „Häschenschule“. Schule war auch für die Schulkinder wichtig. Früher stand Ostern noch wegen eines anderen Termins im Gedächtnis: Vor den Ferien gab's die „Versetzungs-Zeugnisse“, die „Giftblätter“.



Karfreitag, "dunkler" Kreuzigungs- und stiller Feiertag. Bald aber schon erhellt sich die Welt wieder. Auferstehung!


Ruhige Tage mit Kirchgang
In der Karwoche ging es zu Hause ruhiger zu, vor allem ab Gründonnerstag. Viele hatten bereits seit Aschermittwoch gefastet. Manche Spielfreunde verzichteten in dieser Zeit auf Klümpchen, Bonbons. Besonders von Gründonnerstag bis Karsamstag hieß es in vielen Familien „Schmalhans Küchenmeister“. Ohnehin standen in den 1950er-Jahren während der Woche meist keine üppigen Fleischspeisen auf dem Essensplan. Vor dem Ostertag kochte Mutter dann zum Beispiel Spinat und Kartoffeln mit Eiern, an Karfreitag gab es meist gebratenen Fisch. Den konnte man donnerstags im nahen Konsum holen. Manche gingen Karfreitag und an Ostern in die Kirche, die meisten zumindest am Osterfeiertag. Man gesellte sich mit Nachbarn zum Kirchgang. Die Dunkelheit und Stille zum Kreuzigungsgeschehen in Golgatha war gewichen, das Leben hatte über den Tod gesiegt, wie es uns unser abendländischer Glaube seit Generationen gelehrt hat. Auferstehung! In den Gesichtern der Gottesdienstteilnehmer stand Freude, sie strahlten Güte und Wärme aus.
Wir Kinder hatten schon vor dem Kirchgang die Nester gesucht und die bunte Eier-Vielfalt eingesammelt. In späten Jahren war auch manchmal ein Schokoladen-Ei oder -Osterhase dabei.



Noch ist es frisch beim Frühlingsspaziergang.



Spaziergänge und Besuche
Ostern waren Tage im sonntäglichen Glanz. Alle waren festtagsgemäß, sonntäglich, gekleidet. Die Frauen und Mädchen in Kleidern oder Blusen und Röcken, die Jungs und Männer in Anzügen oder Kombinationen mit teils hellen oder weißen Hemden und meist Krawatte. Nein, mit Jeans und Co. war kaum jemand unterwegs. Festtäglich eben. Schön, feierlich, gut.
Alleine in der Familie oder mit guten Bekannten gab es gemeinsames Kaffeetrinken mit Obstboden, Torte und Marmorkuchen. Oft schloss sich ein Spaziergang durch den nahen Wald an. Wie heute noch gepflegt, fanden wir Kinder hinter diesem und jenem Baum oder Busch noch bunte Eier. Der Osterhase ist eben fleißig!
Am anderen Feiertag ging es zu Besuch bei den Großeltern, wo teils auch die Tanten und Onkels mit Familien in der Nähe wohnten. Da gab es dann für uns Kinder nochmals bunte Eier und für alle Nachmittagskuchen und gemütliches Beisammensein. Wir Kinder, die Lotte, Susanne, der Lothar, Heinz, der Wolfgang und … und … waren außerdem mit Eier-Dippen, -Detschen, -Kippen, Eier-Weitwurf und -Hochwurf über die Wäscheleine beschäftigt. Welches Ei ist am stabilsten? Zerborstene mussten an den „Sieger" abgegeben werden. Aber das war ein Hin und Her und hat Spaß gemacht. Alles das sorgte für erfüllte Festtage, die uns am nächsten Tag wieder unbeschwerter in den Alltag eintauchen und uns andere fragen ließen: „Hattet ihr schöne Ostern?“, worauf es meist ein zufriedenes „Ja!“ gab.



Kunterbunte Eierwelt aus der Hasenwerkstatt.



Ostern und Frühling
Wie ist das schön, wenn wir Menschen an Ostern sowie anderen Festtagen einmal ein gutes Stück des Alltags hinter uns lassen. Uralte Bräuche und Feste sowie der Name der germanischen Frühlingsgöttin Ostera werden zur Erklärung für das Wort Ostern herangezogen. Eier stehen für die Fruchtbarkeit, wenn auch die Hühner als Produzenten eher im Hintergrund bleiben. Der Hase hat ihnen die Schau „gestohlen“. Und über allem steht der Frühling, der für neues Leben und Erneuerung der Natur steht, jahrein, jahraus. Er beschert uns, ob zur Kinderzeit oder heute, stets das Wiedererwachen der Natur, taucht Landschaften in ein mildes Grün und bunte Blumenfarben. Er zaubert ein Lächeln auf unsere Gesichter, verschafft dem Leben neuen Atem und zeigt das Wunderwerk Natur in wieder neuem Glanz, zeugt von den Geheimnissen allen Lebens.      Jürgen Weller

...........Fotos aus verschiedenen Jahren. Jürgen Weller berichtet seit Jahren über Feiertage und zu Siegerländer Leben. Über die Homepage www.buch-juwel.de sind Magazine und Poster abrufbar, außerdem gibt es eine umfangreiche Mundartliste in "Siegerländer Platt", die ohne Anmeldung aufgerufen werden kann. "Siegerländer Mundart2 ist lexikonartig aufgebaut - mit Übersetzung und teils mit kurzer Erläuterung. .......... 

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Weihnacht ist's




Schnee, ein Baum mit Lichterschmuck leuchtet dezent in den Abend: Weihnacht. (Foto: presseweller)




Flockenwirbel überm Wald,
ein Stern so hell und klar,
Weihnacht ist es bald,
denke dran, wie's früher war.

Glänzend schön die Tann geschmückt,
Vergangenes auf einmal nah,
für ein'n Moment die Zeit entrückt,
die Weihnacht ist jetzt da!

                                 Georg Hainer


Über die Seiten von www.buch-juwel.de können Sie immer jahreszeitliche Themen, bis zum Gedichtband,und Magazine aufrufen. Für Siegerländer gibt es aktuell das 8-seitige Magazin "Et ess Chresdach" mit Mundartbeiträgen, einschließlich Übersetzung.  

Mittwoch, 15. November 2017

Ein Blick zum Himmel: Totengedenktage


Memento Mori, gedenke des Todes, so ist es hier und da auf Friedhöfen zu lesen. Nach Allerheiligen kommen jetzt noch Volkstrauertag und Totensonntag. (Abbildung: wellSi-made)

Friedhofsbesuche von Allerheiligen und Allerseelen bis zum Totensonntag


15. November 2017. Siegen (DiaPrw). So manche werden sich noch an ihre Kindheit erinnern, an denen es zu den Totengedenktagen mit den Eltern zum Friedhof ging. Bei uns war das aufgeteilt: an Allerheiligen auf den Westerwald, an Totensonntag in die Hermelsbach und ins Freudenberger Land. Die Gräber wurden geschmückt, der Verstorbenen gedacht. Abends leuchteten die Lichter von den Friedhöfen, trugen bei allen dunklen, traurigen Gedanken Helle in die Welt, dass Licht des Lebens. Stille Tage waren es bei uns allemal.
Tage zum offiziellen Gedenken an die Verstorbenen sind ein schon lange gepflegter Brauch. Die kirchlichen Feiertage stehen neben den ganz persönlichen Gedenktagen für verstorbene Angehörige wie Geburtstag und Sterbetag. In der katholischen Kirche sind der 1. und 2. November, Allerheiligen und Allerseelen, feste Termine zum Totengedenken. Bei den evangelischen Christen ist es der heute Ewigkeitssonntag genannte Totensonntag, der stets auf einen Sonntag fällt und in diesem Jahr am 26. November begangen wird. Er ist ein so genannter beweglicher Feiertag wie der Tag des Gedenkens an die Toten der Kriege und von Gewaltherrschaft, der staatliche Feiertag, der Volkstrauertag. Er wird in diesem Jahr am Sonntag, 19. November, begangen.

Gedenke des Todes
Hier und da finden sich auf Inschriften am Friedhof die zwei lateinischen Worte Memento Mori, gedenke des Todes oder, freier, besinne dich des Todes. Schließlich läuft das Leben ab der Geburt dem Ende zu. Die einen müssen früher „gehen“, und wir meinen oft „viel zu früh“, wenn wir an nächste Angehörige denken, andere später. Das Erdenleben ist begrenzt. Unserem christlichen Glauben nach gilt aber das „Weiterleben nach dem Tode“. So ist das irdische Ende nur der Übergang in den Himmel, in die Ewigkeit. So kennen wir es aus dem Worte Jesu im Johannes-Evangelium: „… Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe.“

Sicher, längst nicht jeder glaubt an diese Worte. Aber die meisten werden im persönlichen Umfeld zumindest miterleben, dass Verstorbene nicht vergessen ist, sondern in unseren Herzen, besser im Kopf, im Gedächtnis, weiterleben. Weil man sich in bestimmten Situationen an frühere Tage erinnert oder im Kreise von Bekannten und Verwandten sagt: „Weiß Du noch, wie unsere Mutter – hier stellvertretend für alle anderen – das damals gemacht hat?“ Und ist es auch nicht Weihnachten so, dass wir diese mit vielen Erinnerungen an früher verbinden? Schön! (jw)

Samstag, 12. August 2017

Als Kinder noch gedacht: Alles soll so bleiben!

Der Kindheit-Gedankenwelt und viele Veränderungen


Zusammengestellt von Georg Hainer



Der Rosterberg in Siegen mit seinen Straßen und Wäldern war unser Wohngebiet. (Fotos/ Repros (c) presseweller)


Als wäre es gestern, so denkt man an die Zeit, als wir noch Kinder und unbeschwert waren. „Weißt du noch, was wir damals beim Fußball für kleine Tore in der Straße hatten?“ fragt dann ein Spielkamerad von früher. „Früher“, das liegt in dem Fall gut 60 Jahre zurück. Und gar so viele, mit denen ich darüber sprechen kann, gibt es gar nicht mehr. Jedenfalls war Langeweile in unserer Kinderzeit kaum einmal angesagt. Nie habe ich damals erwartet, dass ich diese kleine Gasse inmitten des Hügels, umgeben von Gärten und Wäldern, jemals verlassen zu müssen. Es sei denn auf die Weise, wie es dem alten „Ohm“ genannten Nachbarn einstens ergangen war, der in einem großen hölzernen Behältnis aus dem Haus getragen wurde und fortan in „unserer Straße“ nicht mehr gesehen ward. Das Behältnis sei ein Sarg, erklärten uns die Eltern. Und weil der „Ohm“ schon so alt gewesen sei, noch älter als unsere Omas und der Opa, sei er verstorben, tot. Das wiederum bedeute, dass er hoch in den Himmel umziehen müsse, von wo er aber auf die Gasse am Hügel und all das Drumherum schauen könne. Irgendwie sei er aber noch bei uns, weil wir uns an manches erinnerten. Ja, wenn er früher aufs Motorrad vorm Haus stieg, er später schlurfend durch den Hof ging, der erste VW Käfer vor seiner Tür stand, wenn er morgens „Gon Morje“ – guten Morgen – sagte, und auch daran, dass er dann und wann einmal heftig schimpfte, wenn wir Kinder zu viert oder fünft vor dem Haus lauthals mit dem Ball tobten, der manches Mal in seinen Garten sprang.

Wenn wir Jungen und die Mädchen Kriegel und Verstecken spielten, bei „Vater wie weit ich darf ich reisen?“ eine Fußlänge, einen kleinen Schritt oder mehrere „bis nach Kreuztal“ vorwärts durften oder der Spielleiter bei „Ochs am Berge, eins, zwei, drei“ mal langsam und mal plötzlich ganz schnell sprach und dann trotzdem ein Kind so aufmerksam war, ihn ablösen zu können, dann war das für Joachim*, Klaus, Jörg, Berthold, Reiner, Rolf, Heinz, Josef und Eberhard, für Ilse, Annemarie, Bärbel und Waltraud (*alle Namen vom Autor frei gewählt) und mich eine freudige, hoffnungsfrohe Welt und eine Zeit, die am besten nie geendet hätte. Schließlich gab es noch mehr der Spiele im Freien wie Räuber und Gendarm, Klickern, Seilspringen und - mehr für die Mädels - Gummitwist. Als wir etwas älter und größer waren, gesellten sich Köppen, Fußball und Federball sowie ab und an Hockey mit alten Krückstöcken oder Latten dazu. 


Für uns Jungs stand bis weit in die Jugend Fußball auf dem Programm. Mädchen schoben auch gern ihren Puppenwagen oder den Kinderwagen mit "neuem" Schwesterchen oder Brüderchen. 


Während einige Mädchen stolz mit ihren schönen Puppenwagen durch die Straße flanierten, gab es hier und da einen einfachen Holzroller, später auch mit Ballonreifen, und Dreiräder. Da es nun einmal nicht immer schönes Wetter gibt, lernten wir nach und nach Brettspiele, von Mensch-ärgere-dich-nicht über Halma bis Mühle und Dame, und Kartenspiele wie Schwarzer Peter über Mau-Mau bis Skat, wir konnten Papier- oder später Kunststofffische angeln, die in einem Pappviereck „schwammen“, und Dominosteine anlegen sowie unser Geschick bei Mikado beweisen. In der Familie wurde mit Buntpapier gebastelt, so dass je nach Jahreszeit Girlanden oder Sterne fabriziert wurden, wie es Jahrzehnte später auch noch unsere eigenen Kinder machten und ihre Freude daran hatten. Wir versuchten, aus Lehm Figuren wie Kasperköpfe und Männchen herzustellen, was nicht schlecht gelang, und die Mädchen begannen, mit der Strickliesel kleine Sachen anzufertigen.

So soll's immer sein - Veränderungen aber unaufhaltsam

Unter uns war das Band der Freundschaft mal weiter und mal eng verknüpft, aber alle, Jungen und Mädchen, waren Spielkameraden, bei denen dennoch wie überall, wo Menschen zusammen sind, hier und da einmal ein Streit aufflammen konnte, der meist nach kurzer Zeit wieder gelöscht wurde, obwohl wir damals von den seit wenigen Jahren häufig gebrauchten Begriffen wie Achtsamkeit und Empathie noch nie etwas gehört hatten. Bei uns hieß das beispielsweise „andere grüßen“, „freundlich sein“, „nicht zanken“, „sich wieder vertragen“ sowie bei Spiel und Sport auf andere und sich aufpassen. Nun, meist waren wir gut, manchmal auch schlecht drauf, also nicht so gut gelaunt, und Trotz gehörte ebenfalls zu den Marotten, die Kinder durchleben. Insgesamt lebten wir dennoch zufrieden in unserer Gassenwelt, und da wir bereits bei Gottesdienstbesuchen mit den Eltern oder im Kindergottesdienst von Ewigkeit gehört hatten, waren wir froher Dinge, dass unser Leben so wie bisher, mit uns allen zusammen, weitergeht, ewig so bleibt. Das hatte leichte Einschränkungen, weil wir natürlich sehr gerne auch größer und älter werden wollten, wie unsere Brüder und Schwestern - das schien so vorgegeben zu sein, wenn wir die Älteren betrachteten.



Unsere "kleine Welt", die Glückaufstraße in Siegen, in den 1950er-Jahren und in den 2000er-Jahren. Lindenbäume sind noch immer da. 


Leben nimmt seinen Lauf

Das Spiel des Lebens läuft jedoch anders, als wir gedacht hatten und wofür niemand etwas konnte. Man nennt es auch „Lauf der Dinge“. Vielen bekannt ist das philosophische Wort „panta rei“, alles fließt, wie der Bach, der Fluss, zu dem sich immer wieder andere Wasser gesellen, der von der Quelle der Mündung zustrebt, um dann meist in einem Meer zu enden, wo noch andere gelandet sind, er als einzelner nicht mehr erkennbar ist. Doch seine Aufgaben hat er gehabt und hat sie weiterhin, weil er eben auch mit seinem Wasser die Ozeane füllt. Er war und ist es, der zur Wasserversogung beitrug, einst Mühlen und später Generatoren zur Stromerzeugung antrieb, der Menschen Freizeitspaß bringt, ob zum Baden oder Boot fahren und in dem sich Fische tummeln. Wasser ist ein Lebenselixier. Unser „Lebensfluss“ ändert ebenfalls bald die Richtung. Die Schulzeit ist nah. Für uns Kinder beginnt sie unterschiedlich, weil wir nicht alle das selbe Geburtsjahr hatten. Wenn nun auch die einen vormittags nicht mehr auf der Straße waren, so hielt das den nachmitttäglichen Spieldrang nicht auf, der bei den einen eben erst nach den Hausaufgaben begann.

Lebensänderung. 1. Schultag. Das macht noch Spaß mit der Tüte, und lernen wollten wir auch etwas. Der Stofflappen link zeigt, dass man noch auf Schiefertafeln schrieb. Abwischen. 

Noch mit Schiefertafeln

Zu meiner Kindheit gibt es in den meisten Häusern Familien mit mehreren Kindern. Es muss stets Zuversicht gegeben haben: Die einen wurden während des Krieges geboren, als Väter irgendwo im Einsatz waren und vielleicht zur Geburtstzeit einen Urlaubsschein erhielten. Andere erblickten danach das Licht der Welt, als es noch die „armen Zeiten“ gab, in denen vieles durch Bombardierungen zerstört war und es darum ging, jeden Tag genug zum Essen zu haben und wo dennoch die Hoffnung auf Wiederaufbau und bessere Zeiten keimte. 
Manche Geschwister sind daher dem Alter nach mehrere Jahre auseinander. Das hatte für uns "Nachgeborenen" seine Vorteile. Die Älteren helfen bei den Schularbeiten und geben Tipps. Praktisch: Da zuerst noch auf der Tafel mit einem dünnen Kreidestift, dem Griffel, geschrieben wurde, konnte Falsches abgewischt und wieder neu versucht werden, was zweifellos später im Heft schwieriger wurde. 


Noch mit Tafel und Griffel in den 1950ern. Mit der Schule beginnt ein anderer Lebensrhythmus: weniger Spielzeit.

Mit Bleistift konnte der Radierer noch helfen, was dennoch meist deutlich erkennbar war, später mit Füllfederhalter sah das alles schon problematischer aus. Aber so war und ist das nun einmal. Jetzt nach dem Jahre 2015 wird es vielleicht bald wieder ganz anders sein, dann tippt man nur noch die Buchstaben in die Tastatur ein und kann das, wenn falsch, sofort korrigieren. Auf dem Monitor des PC oder Tablets bleiben keine „Schleifspuren“ zurück! Wir lernten Schritt für Schritt sorgsam Lesen, Schreiben und Rechnen, wenn auch meist über 40 Schüler in einer Klasse waren.Da es rückblickend zu dieser Zeit zum Glück noch keine Experimente mit neuen Lern-, Schreib- und Rechenmethoden gab - wie später die so genannte Ganzheitsmethode, die unsägliche Mengenlehre usw. - konnten unsere ältere Geschwister uns bei den Hausaufgaben gut behilflich sein. Wir hatten auch noch Religion und Heimatkunde, damit wir erfuhren, was es in unserem Landstrich für Flüsse und Mittelgebirge gibt, unsere Heimat näher kennenlernten und später erkannten, wie gut das war, weil Heimat in Örtlichkeiten, Sprache, Kultur und in Erinnerung stets etwas Besonderes ist.

Durch die Schule waren bereits erste Veränderungen spürbar. Diejenigen, die die selbe Volksschule besuchten, sahen sich auch in der Klasse oder zumindest am Pausenhof, ansonsten kam man erst nachmittags zusammen. Warum? Die Schulen bei uns, Diesterweg und Hammerhütte, waren konfessionell angelegt. Zu weiteren Veränderungen kam es nach den Klassen 4 und 5: Manche blieben in der Volksschule, andere wechselten zur Realschule oder zum Gymnasium. Eventuell traf man dann den einen oder anderen dort wieder.


Spiele standen auch in der Jugendzeit noch auf dem Programm: Brettspiele wie Mensch-ärgere-dich-nicht, Mühle, später Schach und Kartenspiele, Skat inklusive.  

Nach der Schulzeit alles anders

Zwar wohnten wir noch alle in unserem Viertel, aber die Schulzeit zeigte einen ersten Lebenseinschnitt, durch den wir bereits ein gutes Stück entfernt von unserem Wunsch waren, dass es immer so bleiben möge wie in unserer früheren Kindheit. Mit dem Berufsleben kam das noch dicker. Nun war schon bald klar: Wie es früher war so immer, wird es nimmer. Das Leben geht dahin, und wir sind fest eingebunden in diesen geregelten und immerwährenden Alltag, der nur Ausnahmen in Ferien oder in Urlauben macht und weiterhin Begleiter sein wird – wie für Generationen vor und absehbar nach uns, weil wir lernen, dass man irgendwie „funktionieren“ muss, wie es neulich einmal die um die dreißigjahrige Mutter der jungen Familie ausdrückte: „Du musst fast jeden Tag 'Gas geben', damit alles läuft.“ Wie schön, dass das zu unserer Zeit noch nicht so ausgeprägt war, obwohl während der Kindheit die Väter oft noch samstags arbeiteten und wir auch samstags zur Schule gingen und es der Erinnerung nach dennoch weniger Hektik und Stress für alle gegeben hat. Wie ruhiger das Leben war - zumindest in der Erinnerung.

Weniger gemeinsam – Lehre und Studium

Abgesehen von unseren älteren Geschwistern, machten zu meiner Zeit Bertold und Heinz den Anfang. Sie waren die ersten, die nachmittags nicht mehr zu Spiel und Spaß zur Verfügung standen. Arbeit dauert bis zum späten Nachmittag. Das ging nach und nach nun reihum. Eventuell traf man sich am frühen Abend noch, aber auch nicht lange, weil das Berufsleben erst einmal ungewohnt war. Man war um die neun Stunden von zu Hause weg und musste je nach Arbeit wieder früh raus. Wenn man sich traf, erzählten die Lehrlinge, die schon lange Auszubildende oder „Azubis“ heißen, was so auf dem Programm stand. Je nach Lehre mal Feilen und Co., mal Ablage und Briefe schreiben – nur einmal verkürzt gesagt zu den verschiedenen Berufsfeldern. Gut war, dass alle „am Ort“ unterkamen. Firmen unterschiedlichster Ausrichtung, von Handwerk bis Industrie, und Verwaltung, gab es genug in Siegen und im Siegerland, sodass die meisten ihren Arbeitsplatz zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen konnten. In der etwas späteren Jugendzeit, als man sich ans Arbeitsleben oder das gegenüber früher intensivere Schulleben gewöhnt hatte, begann es dann, dass zumindest einige wenige an Wochenenden gemeinsam etwas unternahmen. 
Jungen und Mädchen unserer Straße waren seit der Pubertät, die wir natürlich ebenfalls durchlaufen mussten, kaum noch zusammen. Vielleicht hat sich im Einzelfall mal etwas Schwärmerisches von dieser oder jener Seite eingestellt, aber es wurde nie mehr. Alle, die mir bekannt sind, hatten bald Partner aus anderen Wohngebieten oder Orten, gemäß dem alten Spruch „Wo die Liebe hinfällt“.

Die Spielkameraden und Freunde von früher, die „Abitur in der Tasche“ haben, entschließen sich meist zum Studium. Sie ziehen nach Marburg, Bonn oder weiter und kommen auch nicht jedes Wochenende nach Hause. Wir sehen uns alle nur noch selten. Die Zeit rennt dahin. Nach Abschluss ziehen viele auch nicht mehr in ihren Heimatort. Eventuell verabredet man sich mal zu einem Treff, wenn sie vor Ort sind, oder besucht sich mal.

Viele neue Einschnitte

Jetzt sind wir am Ende von Lehre, Schul- und Studienzeit. Gegenüber unseren früheren Gemeinschaft hat sich bereits sehr viel verändert. Obwohl wir inzwischen alle über 18 Jahre jung sind, gehen nur noch einige wenige an Wochenenden gemeinsam aus, gemütlicher Treff in einer Gaststätte, die es damals noch an jeder Ecke gab oder auch einmal in die Disco und einige Male auch zum früher obligatorischen Spaziergang mit Einkehr am 1. Mai.
Neue Einschnitte kommen. Mit abgeschlossener Lehrausbildung in der Tasche und vom Betrieb übernommen, entscheiden sich einige dennoch, auswärts zu arbeiten. Das geht dann bis nach Norddeutschland, zum Beispiel Marine. Diejenigen, die ihr Studium abgeschlossen hatten, gingen häufig in andere Orte. Außerdem steht für junge Männer Bundeswehr auf dem Pflichtplan: Wehrdienstpflicht. Sie trat 1956 inkraft, die politischen Bemühungen dazu begannen bereits Jahre zuvor. (Details bei wikepedia und anderen Portalen). Das war zu einer Zeit, als viele unsere Väter, teils mit Verwundungen vom Krieg gezeichnet, sagten: „Nie wieder“. Wahrscheinlich gab es für die „Verteidigungs-Bundeswehr“ damals weltpolitische Gründe, vor allem wohl wegen der West-Ost-Trennung, was schon bald als „kalter Krieg“ bezeichnet wurde.

Von unserem früheren Wunsch „So sollte es immer sein“ war fast nichts mehr übrig geblieben, es war nur noch „Schnee von gestern“. Was wir uns in der Kindheit und unseren damaligen Vorstellungen noch gewünscht hatten, ist auf den Spuren des Lebens verblasst, es hat sich bereits zu diesem Zeitpunkt als Seifenblase erwiesen. Den Takt gaben und geben ständige Veränderungen, notwendige Anpassungen und Erfordernisse vor.



Nach und nach lernten wir, dass das Leben ein Buch mit vielen Seiten ist, mit mal lustigen und mal mit ernsten Geschichten, mal mit Kapiteln zu fröhlichen, mal zu traurigen Stunden.

Familiäre Dinge kommen auch

Irgendwann ist es soweit, dass mein Bruder heiratet. Damit verbunden ist allerdings auch, dass er wegzieht. Die Entfernung bis Geisweid ist so überschaubar, dass man sich öfter sehen kann. Aber eben nicht mehr täglich. Er hat mir beim Lernen geholfen, war stets da und hat auf mich aufgepasst, auch als ich schon älter war. Nach und nach konnte ich es überwinden, weil ich kurze Zeit später meine jetzige Frau kennenlernte und wir beide Paare stets viel gemeinsam unternommen haben. Auch die meisten anderen Kumpels von einst heiraten früh, haben die wichtigen familiären Interessen zu pflegen, viele ziehen um, weil in den meist kleineren Wohnungen oder Häusern der Platz nicht für zwei Familien reicht oder es im Wohngebiet nichts Passendes gibt.
Wohnungswechsel stand auch bei uns an, als ich noch bei den Eltern wohnte. Obwohl ich immer gerne in meiner Gasse, der Straße auf dem Rosterberg, bleiben wollte, kommt das mit 17 anders. Nach mehreren Anläufen wollen die Eltern nun endlich in eine neue größere, modernere Wohnung umziehen. Nicht so weit entfernt, immer noch am Fuße meines Hügels. Aber doch so völlig anders. Das Wohnen war komfortabler, und hier und da traf ich noch einen Kinderzeit-Genossen. Mit der eigenen Hochzeit kam dann nochmals eine Wohnänderung in die benachbarte Wohnsiedlung. Da nun alle früheren Kindheitsfreunde ihre eigenen Familien mit Kind oder Kindern hatten und andere weit entfernt wohnten, hatte sich vieles, nahezu alles, völlig verändert.

Wie der Lauf des Lebens geht: Opa, Omas und Tanten starben und dann irgendwann die eigenen Eltern, die wichtigster Teil der wunderschönen Kindheit waren. Schon früh verstarben mein Bruder und alte Straßenfreunde, Begleiter unbeschwerter Zeiten, von Spiel und Spaß. Den einen oder anderen der ehemaligen Spiel- oder Schulkameraden sieht man einmal hier und da und fragt: „Ist alles gut?“ „Im Großen und Ganzen, ja.“ Treffmöglichkeiten sind auch die Jubiläums-Konfirmationen und -Kommunionen. So ganz viel zu sagen hat man sich nicht mehr, weil jeder sein eigenes, völlig anderes Leben durchlaufen hat, weil die Lebensuhr ständig und unaufhaltsam bis zum Ende tickt.


Wäre schön gewesen
Die meist unbeschwerte Zeit der Kindheit können wir nicht festhalten. Die Zeit rennt dahin und fordert ihren Tribut, ist auf Zukunft und viele Veränderungen schon im nächsten Umfeld ausgelegt, Teil der Schöpfung, in der immer wieder neues Leben entsteht und altes verblasst. In diesem Kontext kann auch für uns persönlich der Wunsch „So möge es immer sein“ keinen Bestand haben. Oft schaffen wir als Teil aller Natur neues Leben, mal geht unseres zu Ende.
Dass alles ganz anders kommt, als wir uns das als Kinder erhofft und erträumt haben, ist Teil der Lebenszeit, zu dem sich nach und nach die Erfahrungen gesellen, in der wir die kindliche Unbeschwertheit hinter uns lassen, aber auch den Schatz der Erinnerungen bergen und versuchen, das Beste aus dem Lauf der Dinge zu machen. Das kleine Teil des Kindheitskuchens wird zur großen Erwachsenen-Torte mit vielen Stücken, die mal gut und weniger gut schmecken, mal zuckersüß, mal fruchtig oder herb sind.



Die Uhr läuft unerbittlich weiter, das Leben geht seinen Gang. 


Selbst, wenn wir im Himmel sind, wovon wir uns kaum reale Vorstellungen machen können, steht da noch das alte lateinische Wortspiel zweier Mönche nach der Frage, wie es da oben sein wird: Taliter aliter, "ganz anders". Das trifft aufs Leben zu: längst nicht so, wie einstens in der Kindheit gedacht oder gewünscht!


Alle, die eine wunderschöne Kindheit hatten, sollten es im Innern festhalten: „Was für eine Zeit, wie gut und schön, dass wir das erleben durften“.