Montag, 1. Dezember 2014

Zyklus Lyrische Momenente: Christtag


Ein Kind ist uns geboren, der Heiland. (Foto: presseweller)



Funkelnd Sterne,
schwebend unter Himmelszelt,
Glanz in den Stuben,
verschmolzen mit
Kerzenschein.

Leuchtend Kinderaugen.
Halleluja, der Heiland geboren,
ehedem im Stall in Betlehem.
Freut Euch!

Mit Freude und Wehmut ans Gestern,
mit Zuversicht aufs Morgen!

       
       Georg Hainer

Zyklus Lyrische Momente: Weihnacht


Engel, Tannengrün und Lichter: Weihnachten. (Foto: presseweller)


Choräle klingen aus den Himmelstoren,
Abendrot erfüllt die Dunkelheit,
seht, Euch ist ein Kind geboren,
nehmt es an und seid bereit.

Überm Stall in Betlehem ein großer Stern,
Engel den Hirten davon künden,
die Geburt des Heilands nicht mehr fern,
gehet, um das Kind zu finden.

Wie es der Bibel nach nun auch so war,
zogen viele dann auf Reisen,
fand sich schließlich ein die große Schar,
um das Jesuskind zu preisen.

Man schenkte und die Freud war groß,
in Betlehem, des Stalles Ort
der Heiland, geboren aus Marien Schoß,
seitdem „lebendig“ immerfort.

Das Gedenken stets in heil'ger Nacht,
hört wie der Chor es singt,
neuen Glauben hat das Kind entfacht,
„Ehr' seit Gott in der Höhe“ erklingt.
              Georg Hainer


Zauber der Vorweihnachszeit




Früher im Advent, zu Nikolaus: Apfel, Nüsse und oft auch Apfelsinen. (Foto: presseweller)



Geschmückte Wohnung,
die erste Kerze brennt,
entflammt in Geist und Herz Erinnerungen,
Kindheit, Eltern, wohl umsorgt.
Tannenäste sammeln,
aus denen Mutter einen Kranz bindet,
„Macht hoch die Tür“ singen.
Bescheidene Wünsche ausdenken, sammeln, auch solche,
die doch nicht erfüllt werden/ wurden.
Wunschzettel schreiben.
Am 6. Dezember dem Nikolaus mitgeben.
Ist am sichersten, dass es „oben“ ankommt.
Gedicht aufsagen. Vielleicht.
komische Fragen wie
„Warst du auch brav“
mit kräftigem „Ja!“ - und leiser „meist“ beantworten.

Schauen, ob sich der Geschenkesack
des heiligen Mannes
als adventliches Füllhorn erweist.
Apfel und Apfelsine, so hieß mal die Orange,
ein paar Nüsse, eine Schokolade und …
ein kleines Büchlein. Ja, zufrieden!
Dann zieht er auch schon wieder los.
Schließlich gibt es so viele Kinder in der Welt.
Raus ins Dunkel der Straße,
liegt im schummrigen Gelb der Gaslaternen.

Später dämmerte anderes:
Die Himmels-Logistik-Abteilung
hat mehrere Nikoläuse im Einsatz.
So stieben die je nach Region
von Hirschen oder Elchen gezogenen
glänzend und schwer bepackten
Nikolaus-Himmelswagen in alle Welt.
Überall ein Stückchen Freude bringen,
die Ankunftsszeit versüßen,
so der Auftrag für Herrn Nikolaus.

Ein bisschen funktioniert er immer noch
und sagt uns: „Seht, die Weihnacht ist nah“.

               Georg Hainer

Montag, 17. November 2014

Monat in Grau

Zyklus "Lyrische Momente"




Wer ist unterwegs
im Frühnebel, Dunst,
Landschaft umgeben
von grauem Schleier?

Glitzerndes Tau auf Wiesen,
Frost gewinnt an Boden. Winternähe.
Die Zugvögel machen sich davon.
Lange Reise. Hoffentlich eine gute.

Graue Zeit, in der die Gräber
Schmuck erhalten. Kränze, ohne
Anfang, ohne Ende. Immer.
Farbiger Blumenschmuck erzählt
von stetiger Erneuerung,
der Lebensbuntheit, nicht enden wollendem
Kreislauf ewiger Natur und Schöpfung.

Angehörige gedenken der Toten,
lassen Bilder aus alten Tagen
in ihrem Geist aufblitzen,
denken an erdliche Endlichkeit.
Aber Ewigkeit irgendwo dort oben.

Unterwegs in Wald und Feld,
aber Streben nach Heim, Familie.
Der November gibt den Stab weiter.
Der Winter kommt bald.
Zu Hause sind die Stuben
mollig gewärmt, um das Leben
gerade so zu leben, wie es ist.
Kerzenlicht erfreut die Seele.
Wer will da noch unterwegs sein?

                              Georg Hainer

Freitag, 14. November 2014

Zyklus Lyrische Momente: Havelland-Herbst

Im Havelland-Herbst


Tief von Osten neigt die Sonne zu,
die Menschen liegen noch zur Ruh,
überm Luch rot-gelber Schein nun liegt,
wo bereits der erste Kranich fliegt.

Das Land die Morgensonn erhellt,
überstrahlt sie nach und nach die ganze Welt.
Wir sehen, wie das Havelland erwacht,
über dem die Sonn nun freundlich lacht.

Da kommt Herr Ribbeck in den Sinn,
sind's Kanäle und der Rhin,
Kranich, Störche und die Trappen,
Birken, Kiefern und die Pappeln.

Im Morgendunst die weiten Wiesen, Felder,
Grün-Brau-Gelb die märk'schen Wälder,
ein Reh im Wabbernebel steht,
hoffend, dass der Morgennebel bald vergeht.

                                              Georg Hainer


Zyklus lyrische Momente: Herbst-Welt



Bunte Welt des Herbstes


Blau wie das Meer überspannt Himmel die Welt,
Sonnenstrahl wärmt Menschen und Feld.
Rot leuchtet der Apfel im alten Baum,
warm ist das Licht, ein Herbsttag-Traum.

Gelb die Stoppeln auf den Feldern,
ein Rot-Grün-Gelb in allen Wäldern,
das Braun gesellt sich noch dazu,
bald die Nacht gibt allen Farben Ruh'.

Die Ernte liegt wohl in der Scheuer,
hier und da gibt es Kartoffelfeuer,
der Grünkohl noch im Garten steht,
bald von Frost und Wind umweht.

Grauweiß der Vorhang deckengleich
bedeckt des Morgens Erdenreich.
Und manches Tier und jedermann,
der schafft sich nun noch Vorrat an.
Wenn auch das Herbstspiel ohnegleichen,
bald wird die bunte Welt dem Winter weichen.
                                                    Georg Hainer



Der westfälische Schriftsteller Georg Hainer beschreibt in seinem "Lyrischen Zyklus" nicht nur den Herbst. Die aktuellen Beiträge sind der Jahreszeit geschuldet. Seine Gedichte zeigen auch andere Jahreszeiten, erzählen von Heimat und Rückkehr, verwunschenen Landschaften und Träumen.
Gedichte finden sich auch in den verschiedenen Heimatbändchen, die im Verlag Buch-Juwel, Siegen, entstanden sind, von der Bergmanns-Poesie bis zum Heimat-Rückblick in späten Jahren. 


Freitag, 10. Oktober 2014

Herbst-Hof-Kachelofen-Zeit



Die Kärntner Wälder haben Gala angelegt,
sich Gelb, Braun und Rot gekleidet,
Eichen, Birken, Lärchen setzen
Farbtupfer in den übermächtigen Grün-Wall
der Berg-Nadelwälder.

Im Gailtal kommt
die Dämmerung früh.
Weit im Westen, hinten überm Lesachtal,
verschlucken die Berge die Sonne -
je später der Herbst desto früher der Abend.
Ach ja, unselige Zeitumstellung,
was noch zu bedenken war.
Die Kühe mögen sie gar nicht,
erzählt der Bauer. Ungewohnt.
Wie für die Menschen.

Kinder spielen tags im Dorf,
sammeln Kastanien. Taugen
zum Basteln und fürs Wild.
Die anderen spazieren,
durchs Dorf, zum Bergbach,
genießen die milde Sonnenwärme,
tauchen ein ins sanfte Herbstlicht,
zaubert Postkartenidyllen,
Ölgemälde, von der Natur gemalt.
Lockt zur Fernsicht.

Klar ist die Luft. Es riecht nach Laub,
Kastanien, Erde, Wald, Wiesen.
Der Kukuruz ist geerntet,
braune, gelbe Kolben
hängen an Balkonen, in der Diele.
Erntedank ist schon gefeiert.
In leichter Brise
nicken sacht Baumwipfel.
Die Sonne hat sich hinter
einem Berg verkrochen,
zeigt sich aber nochmals.
Bald schon kommt die Dämmerung.

Auf der Ofenbank ist's mollig.
Großeltern und Eltern, die auch Kinder sind,
Kinder und deren Kinder,
die auch Enkel sind,
wärmen sich den Rücken.
Die einen stricken,
die anderen lesen
und ältere Eltern, Großeltern und Eltern,
die auch Kinder sind,
unterhalten sich.
Erzählen von der Ernte,
wie's im Jahr so gegangen ist,
von Wehwehchen und Zipperlein
und vom baldigen Winter.
Ob's viel Schnee gibt, ob er
lange dauert?

Der gute alte Kachelofen mit Ofenbank
wärmt nicht nur den Rücken.
Macht den Raum mollig,
wärmt Nebenzimmer und Diele
und kann noch mehr.
Der große Schlund
reicht für viele Brote.
Bauernbrot. Auch mit Kümmel.
Frisch gebacken, knusprig.
Wohliger Duft
durchströmt das Haus.
Macht hungrig.
Frisches Brot, Speck vom Hof,
Käse von der Alm. Köstlich.
Was für ein Hof-Herbst!

Draußen
ist's stocke-dunkel-finster.
Bald
kommt die Bettzeit.
Bald schon
ist Winter.
Ganz bald
unterm dicken Plumeau
in Träume versinken.
Vollgestopft mit Kastanien, Kukuruz,
Spielen, Licht, Wärme,
Farbenspiel, Erzählungen,
Kühen, Schweinen,
Almkäse, Schinkenspeck und Brot.
Und doch Schlaf so tief.

Bald
beginnt der neue Tag.
Für Großeltern, die auch Eltern sind,
für Kinder, die auch Eltern sind,
für Kinder,
die Eltern und Großeltern haben.
Der alte
Herbst-Hof-Kachelofen-Tag
ist vorbei. Der neue kommt.
Schöner Herbst!

                 Georg Hainer


10/2014 Textrechte by Verlag Buch-Juwel, Foto by DialogPresseweller
Abdruck/Veröffentlichung mit Autorennamen und Urhebernachweis frei