Donnerstag, 18. Mai 2017

Wie die Natur so spielt: Traum-Baum




Die Birke im morgendlichen Maiengrün. (Alle Fotos: presseweller)


Sonnenschein, dunkle Wolken und goldenes Licht


Es ist der 14. Mai 2017, der Muttertag. Kinder krabbeln etwas früher aus den Betten, damit sie ihre Basteleien für Mutti rechtzeitig aus den Verstecken holen können und helfen Papa etwas, den Frühstückstisch zu decken. Der Morgenhimmel bei uns in Siegen zeigt sich in feinem Blau mit einigen Schleierwölkchen, und die hohe, mächtige Birke im Nachbargarten, die uns Jahrzehnte Begleiterin ist, hat ihr schönstes Maiengrün-Kleid angelegt. Was für ein Tag! So begann es, und es blieb weitestgehend sonnig, was das Gemüt aufhellt und hier und heute passend zum Muttertag war. Schließlich haben es die Mütter dieser Welt verdient, dass es ein schöner Tag wird, ein kleines Dankeschön für alle ihre Mühen, Sorgen und Betreuung. Das Wetter am 14. Mai zeigt später sein Wechselspiel.  

Erst gegen Abend veränderte sich das Wetterbild: Dunkle Wolken zogen auf, der Himmel verdüsterte sich, Regentropfen, Grau in Grau. Sogar die Birke schien farblos zu sein. Doch das Gewölk hatte die Rechnung ohne die Sonne gemacht. Sie suchte sich eine Lücke, um noch einmal zu untermauern, dass sie heute gute Dienste getan hatte: „Hallo, ich bin noch da!“ Noch mehr als das, weil sie sich für nur knapp ein bis zwei Minuten in verschwenderischer Fülle zeigte und mit ihrer gelb-strahlenden Helligkeit zu einem furiosen Glanz-Höhepunkt ansetzte. Ja, wir hatten das Glück, just zu dieser Zeit aus dem Fenster zu schauen, Birke und den Wald am nahen Berg im goldenen Antlitz zu sehen, intensiv, prall, unbeschreiblich schön. Wir waren froh, das sehen zu können und hoffen, dass viele andere es ebenfalls erlebt haben, auch wenn es nur kurz währte.




Golden wirkt der Sonnenglanz auf Birke und Landschaft.


Mal so, mal so - Wie das Leben

Dann gewannen wieder die Wolken die Überhand, es dunkelte, Regen tropfte ans Fenster – und bald schon führte die Nacht das Regiment, aber nur bis zu einem neuen Morgen.

So spielt die Natur seit Ewigkeit und lässt uns bei all ihrer Macht auch immer wieder Schönes erleben. Ähnlich wie unser Gemüt und unsere Gefühle, die mal von Freude und mal von Traurigkeit beseelt sind, mal von Niedergeschlagenheit und mal von Hoffnung. Leben eben. Georg Hainer



Schon lässt das Wetter die Birke wieder „im Regen stehen“.


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Samstag, 13. Mai 2017

Schauen, sorgen, helfen: Mamas




Ein Gedicht, nicht nur zum Muttertag 


Mama, wie immer sie auch anders heißt,
wenn man durch die Welten reist,
ist doch vieles mehr als Name, Wort,
für Kinder dieser Welt ein Wohlfühl-Hort.

Behütet lange vor dem ersten Schrei,
in Mutters warmem Bauch wohlfeil.
Später erste Schritte, Worte, ja und da,
Mama sagen und Pa-pa.

Danach heißt es einfühlsam umsorgen,
bereiten auf das Leben, auf das Morgen.
Gut begleitet wächst das Kind heran,
bis später zum Erwachs'nen dann.

Bei Sorgen steht die Mama stets parat,
sie hilft, wie's geht, gibt guten Rat.
Schaut später man nach oben dann zurück,
erinnert man sich an der Kindheit Glück.
Danke, Mama, für Umsorgen, Rat und Tat,
dass mir im Leben oft geholfen hat!
                                            
                                                 Georg Hainer


Wohl wissend, dass es in meinem Umfeld häufig so war, aber wegen unterschiedlichster Begebenheiten wie Kriege und Unruhen sowie teils unschönen Scheidungs- oder Trennungsszenarien doch leider nicht immer so „traumhaft“ war und ist. Ich und viele andere meiner Generation sind froh, Mutter und Vater gehabt zu haben, die uns, trotz auch wirtschaftlich armer Zeiten, eine wunderschöne Kindheit und Jugend ermöglicht haben und die mit Rat und Unterstützung zur Seite standen. Danke Mama und Papa!!!!!!!!!! 

Dienstag, 9. Mai 2017

Kindheit – Orte der Glückseligkeit


Die Eichen in der Ähl in Siegen sind noch immer da, wecken Erinnerungen an so viele Begebenheiten. Am 25. April war übrigens "Tag des Baumes". (Fotos/ Repros: presseweller)


Heimat im Kopf/ Oft ist es heute noch so ähnlich wie bei uns früher in den 1950er-Jahren


Georg Hainer

Vielen bereitet es eine gute Portion Freude, hin und wieder einmal an ihre eigenen Kindertage zurückzudenken, vor allem, wenn man Wohnort, Straße und Wohnhaus wiedersieht, wo man die Kinderzeit oder einen Teil davon verbracht hat, umsorgt aufgewachsen ist und mit Freunden und Nachbarskindern gespielt hat. Für mich ist es Siegen, für andere vielleicht eine Großstadt oder für wieder andere ein heimeliges Dorf. Ist es heute auch seltener als früher, so leben doch manche noch genau dort, wo sie mit den Eltern ihre Kindheit verbracht haben: Heimat. Wenn wir uns auch in den alten Zeiten nicht verfangen dürfen, weil nun schließlich wieder eine andere von vielen Veränderungen geprägte Zeitspanne ist, in der wir allein oder vielleicht mit eigenen Kindern und/ oder Enkeln leben, so ist es doch stets schön, für mehr als einen Moment innehalten zu können, Erinnerungen ihren Lauf zu lassen und Zeit und Orten der gefühlten Glückseligkeit Raum zu geben.

Nun meint es unser Gedächtnis recht gut mit uns, weil es oft Unschönes verdrängt, das Angenehme, manchmal auch etwas rosarot verfärbt, in den Vordergrund rückt und unser Nachdenken „Weißt du noch?“ erhellt. Das ist hilfreich, wenn wir auch nicht davon verschont sind, dass die eine oder alte „Wunde aufreißt“ und das Erinnern einmal nachdenklich werden lässt. Alle tieferen Rückblicke sind kleine Pausen, in denen wir der seit den 2000er-Jahren ständig noch zunehmendem Schnelllebigkeit zwar nicht davonlaufen, aber ihr doch phasenweise entfliehen können.

Enkel regen an

In der Nachbarschaft sehen wir den vierjährigen Alexander*, wie er unbeschwert mit Nachbarkkindern auf der Wiese hinter dem Haus tollt und wie er sich ebenfalls freut, mit Mama oder Papa zu  spielen oder im Haus mit ihnen zu basteln, diese kindliche Unbeschwertheit hat, die wir direkt für uns nachfühlen können und die dann zum Teil bereits einen kleinen Einschnitt erlebt, wenn der regelmäßige Schulbesuch beginnt. Schließlich ist Alexander inzwischen schon über sechs Jahre. Da ist Britta, inzwischen fünf, die Enkelin von alten Freunden, die gerne bei den Großeltern ist, ab dem Krabbelalter alles Mögliche entdeckt, aber dennoch froh ist, wenn sie die Eltern bei sich hat. So ist es auch beim Enkel Luca, der bei aller Freude und herzhaftem Lachen beim Spiel mit der Oma gerne wieder am Rockzipfel der Mama hängt oder beim Papa auf den Arm will. Meine Generation sieht diese kindliche Unbeschwertheit leibhaftig eher bei den Enkeln; Die schönen Jahre mit den eigenen Kindern sind wie die eigene Kindheit Rückbesinnung.Lang ist's her.



Da gab es zur Kindheit einmal ein Dreirad. Klasse!

Spiel und Freude

„Das war unsere Straße“ oder „unser Hübbel“ sagen wir uns manchmal, wenn wir auf Siegener vom Rosterberg treffen. Wenige leben dort noch, viele sind weggezogen. So manche können wir nicht mehr persönlich sehen, weil sie nun von oben auf unser Wohnviertel schauen. Aber wenn wir diejenigen treffen, die noch am „Hübbel“ wohnen oder zu Besuch da sind, dann sind Kindheit und Jugend Themen. Es geht um die Zeit, als die Straße noch ein großer Spielplatz für Fußball und Federball war, wir Jungen und die Mädchen Kriegel und Verstecken und „Ochs am Berge eins, zwei, drei" spielten, wir mit dem ersten Holzroller und Dreirad gefahren sind, im Sommer auf der Gartenwiese im Zinkwännchen plantschten, uns ein kleines Zelt aus alten Militärplanen bauen konnten und Väter und Mütter bei Bedarf den Überblick behielten, wie die älteren Geschwister. Na klar, dass auch mal ein Kind hinfiel und Trost sowie eines Pflasters bedurfte und dass es auch einmal Gezänk mit Tränen gab, was aber schnell wieder vergessen war. Vor der Schulzeit, vor dem 6. Lebensjahr, gab es keine großartigen Verpflichtungen, außer, dass wir abends vor dem Dunkelwerden wieder „rein“ in die oft kleine aber gemütliche Wohnung mussten, um den Tag mit Abendbrot, ins Bett legen, Vorlesen und Beten zu beenden, egal, ob evangelisch oder katholisch. Was für erfüllte Tage in einem Umfeld, in dem das Einkommen gerade zum Wohnen und Essen reichte und erst nach und nach die Besserungen des „Wirtschaftswunders“ wirksam wurden, das wir von klein auf miterleben konnten!

Schule verändert den Alltag

Mit der Schulzeit gab es kleine Einschnitte: früher aufstehen, pünktlich und vormittags nicht zu Hause sein, Gut, dass die so gute Volksschule, die Diesterwegschule in der Rosterstraße, die zurzeit auch noch besteht, nur ein paar Gehminuten entfernt lag. In manchen anderen Wohngebieten war es ähnlich, manche mussten auch etwas weiter gehen. Die Politik hat inzwischen vieles und öfter verändert, von der Schulart bis zum Schulplatz. Den Lernstoff ebenso. Viel Gutes können so manche und wir diesen Neuerungen oder "Experimenten"  nicht abgewinnen. Wie dem auch sei. In der Klasse oder Parallelklasse waren auch die bekannten Kinder, je nach Geburtsdatum waren andere bereits ein Jahr früher eingeschult. Je nach Alter waren mindestens bis zur 4. oder 5. Klasse auch die älteren Geschwister da. In den ersten Jahren mussten wir meist bis mittags um 12 Uhr durchhalten. Lernen war ebenfalls angesagt - je nach Klasse wurden die Hausaufgaben immer mehr.
Mit dem Schulalltag lernten wir auch andere Kinder kennen, Es bildeten sich neue Bekanntschaften und Freundschaften. Mittags nahmen wir schon einmal einen mehrminütigen Umweg in Kauf, um ein Stück mit einem anderen Schüler oder einer Schülerin zu gehen und über dies und das zu sprechen oder sich für Fußball oder andere gemeinsame Unternehmungen zu verabreden.



Wald war nah, den kannten wir von Spaziergängen. Für uns galt es damals, ihn neu zu entdecken, kleine Abenteuer zu erleben.  

Wir fühlen uns wie Tarzan

Mit zunehmendem Alter entdeckten wir den - wie nahezu überall im Siegerland ganz nahen - Wald völlig neu. Den kannten wir von Sonntagsspaziergängen sowieso. Aber was man mit Wald und Bäumen noch anfangen kann, kam erst später. Erst so 1959, elf, zwölfjährig, durften wir alleine in unser Waldstück, die Ähl. Wir, Bertold, Heinz, Rolf, Wolfgang und teils noch andere, versuchten, Bäume zu erklettern: immer ein Stückchen höher in die große Eiche aufsteigen. „Weiter komme ich nicht“, hörten es die anderen dann von unten, die ihrerseits versuchten, Ast für Ast hoch zu klettern. Um den ersten dicken Hauptast, den Einstieg fürs Klettern, zu erreichen, waren ein Sprung und ein Klimmzug mit kurzer Bauchwelle erforderlich.
Zwar hatten die meisten Haushalte bei uns noch keinen Fernseher, aber es gab so kleine Heftchen wie „Tarzan“ und „Akim“. Die kosteten um die 20 Pfennige zu der noch alten guten D-Mark-Zeit. Die durften wir kaufen, mochte es auch aller späteren Pädagogik zuwider sein. Viele hatten auch Karl-May-Bücher zu Hause.
Es galt nun, das eine und andere daraus auszuprobieren. Zuerst versuchten wir, unseren Aufschwung zum ersten Baum-Ast zu perfektionieren. Das war nach ein paar Mal kein Ding mehr. Lianen gab es im Wald nicht. Aber! Birken sind biegsam. Eine große stand dicht neben der Eiche. Wenn wir ein bisschen auf einem oberen Eichenast zum Ende hinrutschten, konnten wir einen festen Birkenzweig fassen. Sollen wir oder nicht? Gesagt, getan! Ein Mutiger probierte es, und siehe da, er schwebte über das wiesige Gelände und konnte dann erdnah abspringen. Klar, dass es nun auch die anderen versuchten. Nach und nach nutzten wir Äste in verschiedenen Höhen und konnten ein Stück weit schweben, abenteuerlich: „Wir sind Tarzan“! Die Eltern haben es nicht mitbekommen, sonst wäre der Waldbesuch wohl gestrichen worden, passiert ist zum Glück nie etwas.



Wenn ich heute an diesen Ort zurückkomme, an dem unterhalb am Weg eine Bank steht, wo sich ältere Jugendliche abends trafen und gemeinsam zum Klang einer Gitarre fröhlich sangen und Jungen und Mädchen so manchen Abend verbrachten, um ein paar schöne Stunden zu erleben, dann holt mich alle Erinnerung wieder ein, weil gerade dieses Waldstück – neben vielen anderen Stellen in unserem Wohngebiet – einer der wichtigen Orte der Kindheit und frühen Jugend war, der tiefes Erinnern auslöst, das „Damals“ vor dem geistigen Auge lebendig werden lässt und eben für andere und mich ein „Ort der Glückseligkeit“ war und ist.
Nach diesen Erinnerungsausflügen kommt man schnell wieder im Hier und Jetzt an. Aber es mag viele geben, die Freude und Glücksempfinden bei diesen Träumereien haben, die auch den aktuellen Alltag verschönern, weil Glückseligkeit doch einfach nur schön ist.
*Alle Namen wurden geändert.

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Sonntag, 23. April 2017

Heimat – tief in Herz und Geist



Jeder hat seine eigene Heimat, hier in Siegen, wo Eichen und Linden sowie das Krönchen auf der Nikolaikirche Erinnerungen wecken. (Fotos/ Montage: presseweller)




Durch die alte Straße gehn,
ihr Name lange anders ist,
die früh'ren Häuser wiedersehn,
weil's ein Stück der Heimat ist.

Noch einige der alten Lindenbäume
stehn in Reih und Glied,
Erinnerung an Kindheitsträume,
doch die Zeit, sie mehr und mehr entflieht.

Ist die knorrig Eiche denn noch da,
wo wir geklettert , Zeit verbracht?
Auf Anhieb ich sogleich sie sah,
macht, das mir das Herze lacht.

Freunde, Kinder doch aus alter Zeit,
so viele schon gegangen sind,
das Herz empfindet Traurigkeit,
und der Heimat-Wind umweht mich lind.

Schaue hoch zum Himmelszelt,
danke, dass wir oft zusammen waren,
Weißt du noch, die Stimm' erzählt,
von unseren vielen wunderbaren Jahren?

Oh ja, viel Erinnrung ist noch da,
an das, was Heimat ist und immer war!
Ein jeder trägt sie doch in Herz und Geist,
erinnert sich der Heimat – jetzt und einst.

Georg Hainer

Samstag, 25. Februar 2017

Siegener Geschichten: Osterhasen allerorten


Es grünt: Die Ähl am Rosterberg war früher beliebt für Osterspaziergänge. (Fotos: (c) presseweller) 

Erzählung zu Osterfesten in den 1950er-/ -60er-Jahren 


Uns Kindern war es immer eine Lust, alleine durch die Siegener Wälder zu streifen oder mit Eltern und Bekannten Spaziergänge zu machen, bei denen wir die Freude an der Natur festigten und manches Neue entdecken oder erfahren konnten. Schließlich veränderte sich die Natur ständig, bewusst augenscheinlich aber alle paar Monate, so dass sich vor dem Grün der Fichten und Tannen die Birken, Buchen und Eichen mal in zartem, mal in intensivem hellen oder dunklen Grün und zur Herbstzeit mit gelben, roten, braunen Blättern in allen Zwischenfärbungen zeigten, dass die Augen Freudensprünge machten, solch einen Laub- oder Mischwald mit seiner Farbfülle zu sehen - alles geschenkt von Mutter Natur, die diesen gewaltigen Farbrausch inszeniert. Wir sahen Bäume mit Eicheln und Bucheckern sowie Tannen und Fichten, die voller Zapfen hingen – alles den Naturgesetzen um Leben und Überleben und weiterer Verbreitung der Art gewidmet, wie es seit Ewigkeit geht und weiter seinen Lauf nimmt. Die Veränderungen zu Herbst und Winter hin wiederum, wie man es uns erklärte, bewirke auch der natureigene Schutzmechanismus, wodurch die Laubbäume bald ihre Blätter fallen ließen, mit der sie sich ihrerseits gegen die Kälte wappneten und uns die Freude bescherten, durch raschelndes Laub zu gehen. Bei Schnee hatten freilich die Nadelbäume ihren Auftritt, weil ein tief verschneiter Tann, bei dem die üppigen Nadeläste in Weiß gekleidet sind, einfach festlich aussieht, erst recht, wenn es zur Weihnachtszeit ist. So ist einmal das ganze Waldjahr kurz gestreift, aber zur Osterzeit gab es in Kindheitstagen gleichwohl Besonderheiten, wie wir es bei den Spaziergängen im Wald ebenfalls erlebten.

Spannender Ostertag

Bereits einige Tage vor Ostern zogen wir mit Mutter oder Vater in den Wald. Es ging dabei nicht nur darum, von der frisch-würzigen Luft zu kosten, sondern vor allem darum, Moos zu sammeln. Hell-, dunkelgrün und dick wuchs das Moos an manchen Stellen, von dem wir einige schöne Batzen in einen Korb legten und mit nach Hause nahmen, weil daraus Nester entstehen sollten, Osternester, in denen der Hase einen Platz fand, um die bunten Eier abzulegen und vielleicht auch einmal ein Schokoladenhäschen. 



Aus weichem Moos lassen sich treffliche Osternester bauen!


An Ostersonntag nach dem Frühstück konnten wir es kaum abwarten, in Garten und Haus zu schauen, ob der fleißige Osterhase aus seiner Kiepe auch schon Eier in unsere Nester gelegt hatte. Wenn die Zeit dafür gekommen war und Mutter erst einmal am Fenster schaute, ob nun Meister Lampe seinen Dienst verrichtet hatte, wurde ihre Stimme aufgeregter: „Kommt schnell, er war da und geht weiter. Wenn ihr Glück habt, seht ihr ihn noch!“ Da war kein Halten mehr und wir stürmten ans Fenster. „Dahinten! Oh. Jetzt ist er weg!“ Wir wir uns auch bemühten: In den Blick bekommen haben wir ihn nie. Und so ging es unseren Kindern und wohl den späteren Kindergenerationen ebenfalls, weil der Hase einfach zu schnell ist oder nicht gesehen werden will. Es sind diese Geschichten und Legenden, die immer weiter in den Köpfen leben, Neugier, Spannung, Freude und hoffende Träume bereiten, Erzählungen, die schon unsere Eltern pflegten, von uns den eigenen Kindern weitergetragen, die sie wiederum ihren Kindern, unseren Enkeln, vermitteln und die damit ein ständiger Fortlauf der Traditionen und Erinnerungen sind und dem Kindersinn helfen, Eindrücke und Geschichten zu sammeln und zu bewahren und selbst auf Entdeckungen zu gehen. Damals hatten wir noch keinen Osterhasen-Pokemon, der eventuell für die Welt der Smartphones, Spiele und Apps noch kreiiert werden müsste. Oder doch eher nicht! Vielleicht gibt es das auch schon!?



Meist waren Osternester auch noch im Haus versteckt. Gefunden!

Bunte Tupfer im Wald

Für viele andere und uns war der Ostermorgen mit dem Kirchgang verbunden; in unserem Bereich waren das die Martinikirche, die Peter-und-Paul-Kirche, das Gemeindehaus am Rosterberg oder je nach Jahr auch noch die Johanneskirche auf der Eintracht, ein Stück neben dem eingefassten Teich im großen Park, den einst Leonhard Gläser der Stadt gestiftet hatte. Wie bereits am Vorabend zur Einläutung des Festes zur Osternacht und den Feiertagen schienen am Ostersonntagmorgen die Glocken noch intensiver zu klingen als sonst, festlicher, eindringlicher. Bald nach dem Gottesdienstbesuch freuten wir uns auf ein festliches Mittagessen, das in den 1950er-Jahren an solchen Feiertagen ganz anders als alltags war und auch noch ein Stück weit üppiger als sonntags, weil die Eltern sich etwas einfallen ließen, auch wenn die Einkommen in diesen Zeiten meist noch knapp waren und „täglich Fleisch“ nicht auf dem Wochen-Essensplan stand.
Nach der Nachmittagskaffeezeit hieß es „Raus in die Frühlingsnatur“. Die Luft war zur Osterzeit schon weit milder, als noch Wochen zuvor, doch konnte es noch frisch sein, je nach dem wann das Fest war, sodass das Sonntagsgewand noch um Pullover oder wärmendes Wämschen und Mütze bereichert wurde. Manchmal sogar versuchte der Winter noch eine Schneebresche in die zart blühende Landschaftswelt zu schlagen, was ihm meist aber nur kurz gelang, da er schließlich seine Zeit gehabt hatte und sich zumindest bis Ende Oktober zurückziehen musste, um dem steten Erwachen und Erblühen der Natur nicht im Wege zu stehen – so, wie es hierzulande im ständigen Kreislauf des Jahres und seiner Jahreszeiten vorgegeben ist.

Beim Osterspaziergang mit den Eltern lugte hier und da etwas Buntes hinter einem Baum hervor oder lag im leichten Gestrüpp: ein rotes, grünes oder gelbes Osterei, manches Mal auch eines in einer Braunfärbung, wofür färbender Zwiebelsud Pate stand. Keine Frage, dass hier der Osterhase mit seiner Kiepe umhergehoppelt war und üppig seine Fracht verteilt hatte. Üppig deshalb, weil auch andere Kinder, die vorher oder hinterher mit ihren Eltern über die Waldwege spazierten, mit Eiern bedacht worden waren oder wurden. Für jeden etwas. Und wenn wir in unseren Köpfchen darüber nachdachten und der Mutter sagten: „Mama, das ist wie vor Weihnachten wie beim Nikolaus, nur jetzt ist es früher“, dann musste sie schmunzeln: „Ja, so ähnlich ist es.“
Nun aber hatte der Osterhase seinen großen Auftritt in Gärten, Häusern und im Wald, und da er nie dabei gesehen wart, glänzte er auf seiner Bühne mit den gut gefüllten Nestern, die er  damals wie heute hinterließ. Vater und Mutter erzählten, wie fleißig er wäre und dass er alle Hände voll zu tun hätte, weil er schon vormittags in den Gärten und Häusern unterwegs sei und nachmittags in Wald und Flur und weil es schließlich doch allerorten Kinder gebe, die zum großen Christenfeste auf diese besonderen Eier warteten, die trefflich schmeckten, aber zum Teil auch noch einen Mitnutzen hatten.

Eier kippen und rollen

Die Ostereier waren zu mehr zu gebrauchen, als sie nur schnöde zu essen. Dieser Mitnutzen kam dann, wenn wir mit anderen Kindern die Eier „kippten“; so heißt das bei uns – und überall wieder anders -, wenn eine Art Härtetest gemacht wurde. Jeder hatte ein Ei in der Hand, und so schlug man es beim anderen an, zuerst an der Spitze, dann an der runden flacheren Stelle. Das ging abwechselnd. Welches hält? Im Normalfall musste das gesprungene Ei an den „Sieger“ abgegeben werden, auf jeden Fall aber wurden die zerdöpperten Eier gegessen. Manchmal hatte man ein Ei, dass alle Anstöße der anderen aushielt, und so mancher sagte sich dann: „Das ist so fest, das behalte ich mal noch für ein nächstes Spiel.“ So reihte es sich erst einmal in die Reihe der ungegessenen Eier ein. Wir ließen Eier auch kleine Hänge hinunterrollen, um zu sehen, welches am weitesten lief, und wir warfen auf Wiesen Eier in die Höhe oder, viel praktischer, über die Wäscheleine, wobei es wieder darum ging, welche Eier die Prozedur überstanden. Eier wurden gerne gegessen, weil sie ein wertvolles und gehaltvolles natürliches Nahrungsmittel sind. Und ist das Ei, wenn es befruchtet ist, nicht zugleich das Symbol neuen Lebens, irdisch vergänglich und wie die Frühjahrs-Natur immer erzählend vom ewigen Werden und Vergehen?



Hat es überstanden oder wurde es noch gar nicht "gekippt"?


Schon die Eltern erzählten uns damals, wie deren Eltern und unsere Großeltern wohl auch, dass Ostern ein großes Fest der Christenheit ist, weil Jesus' Auferstehung gefeiert wird, wobei wir unserem christlichen Glauben nach in den Zyklus von Palmsonntag an über Karfreitag eingebunden waren, von Einzug, Abendmahl, Kreuzigung und Tod bis zur Wiederauferstehung. Nach dem besonderen Fasttag an Karfreitag hatte mit Ostern die Fastenzeit ein Ende, an die sich die einen mehr und die anderen etwas weniger hielten, wobei denn doch zumindest an Karfreitag Fastengerichte, häufig mit Fisch in durchaus leckeren Zubereitungen, auf dem Tisch standen, Und so war es für viele ein Wohlgefühl, spätestens ab Ostersonntag wieder ein üppigeres Mahl kosten zu können. 


In der Schulzeit erfuhren wir, dass das Wort Ostern wohl auf den Namen einer germanischen Frühlingsgöttin, Ostara, zurückzuführen ist, was aber nicht eindeutig ist, dass Menschen jüdischen Glaubens um die Osterzeit das Passahfest (heute oft auch als Pessach bezeichnet) feierten. Zur Osterzeit gibt es viele Bräuche wie die Osterfeuer und geschmückte Brunnen, weil Wasser ein Zeichen des Lebens ist, Osterlämmer und vieles mehr. Ostern ist ein „bewegliches“ Fest, das je nach Art einen anderen Termin hat, jahreszeitlich doch stets mit dem Frühling verbunden, dem Erwachen der Natur. (Georg Hainer)

In diesem Blog sowie auch über die Webseite http://www.buch-juwel.de lassen sich zahlreiche Gedichte und Geschichten sowie mehrseitige Magazine ohne Anmeldung aufrufen. Ein Teil dieser Erzählung ist für die Ausgabe 4 der Reihe "Früher in Siegen" vorgesehen. Mit diesem Beitrag sollten beim Verlag auch frühere Erzählweisen wieder eingeführt werden. 

Mittwoch, 4. Januar 2017

Heimat – wo du zu Hause bist



Waldgebiet Aehl in Siegen, Rosterberg. (Gestaltung: presseweller)

In der Erinnerung lebt sie immer weiter


Sage mir einmal, was du unter Heimat verstehst? Das muss man nicht zweimal fragen. Der ältere Mann begann gleich, in Stichworten zu erzählen:

Wo ich geboren bin, ich mit Eltern und Geschwistern gelebt habe,
aufgewachsen bin, mit anderen Kindern, Freunden gespielt und
meine Jugend mit vielen Freunden verbracht habe.
Wo ich später, immer noch im selben Ort, meine Frau kennen und
lieben gelernt habe, wir eine Familie gegründet haben, wo unser Sohn
geboren wurde und wo wir gelebt haben.
Wo wir gemeinsam mit vielen weiteren neuen Freunden
Geburtstage gefeiert und das neue Jahr begrüßt haben und
die Zeit uns immer älter werden ließ. Dort, wo ich und wir von Kindheit an
bei auch allen Fährnissen und Problemen des Lebens glückliche und
zufriedene Zeiten verbracht haben.

Ist's nicht noch mehr? Doch, doch – noch viel mehr!

Es sind die Lindenbäume in der Straße mit ihrem besonderen Duft zur Blütezeit.
Es sind der nahe Wald mit meinem Kletterbaum, der alten Eiche,
die alte Schule mit dem Schulhof und der Blick von der Höhe über die Stadt.
Es sind das vom Wind aus der Ferne des Tales zugetragene pfeifend-heulende Zugsignal,
die noch verbliebenen Bekannten und Freunde aus alten Tagen,
denen das Alter auch die Renten- oder Pensionärszeit gebracht hat.
Es sind die Einkaufsgeschäfte von früher, die meist nicht mehr bestehen,
deren erhaltenen Gebäude man aber noch kennt. Da haben wir
die frischen Brötchen und Wurst gekauft, dort Lebensmittel, Obst und Gemüse.
Und in der einen Straße war der Schuster und in der anderen der Friseur.
Es ist der Hauch der Vergangenheit, der über allem liegt.

Aber vieles ist doch gar nicht mehr da!?
Da sagt der ältere Mann: „Wieso nicht? Es lebt in der Erinnerung weiter.
Wer wird die vielen Eindrücke und Erlebnisse schon vergessen? Heimat ist
jetzt da, und sie war da. Wer die Heimat liebt, bei dem verflüchtigt sie sich nicht!
                                                                                                              Georg Hainer

Mittwoch, 16. November 2016

Lachen vom Schulhof – Wie damals



Rings ums Gebäude erstreckt sich der Schulhof der alten Diesterwegschule auf dem Siegener Rosterberg. (Foto: presseweller)


Vom Hof der Schule, nach Diesterweg benannt,
hör' ich Kinderlachen, vertraut und noch bekannt,
wie so viele Jahre ist's schon her,
seit ich hier war, zu der ersten Wissenslehr.

Die Erinnerung noch da, der Schulhof groß,
Spielen, Tollen, alles ging so ganz famos.
Pausenbrot und ein'ge Klassenfreunde,
doch bald schon kam das Endgeläute.

Schrill die Klingel brüllte: alle wieder rein,
halt, erst aufstellen – Ordnung muss nun einmal sein.
Schritt für Schritt in den Klassenraum zurück:
nur zwei Stunden noch, was für ein Glück.

Getrennte Bänke für die Mädchen und die Jungen,
auch Lieder gelernt und im Unterricht gesungen,
trat die Lehrperson ins Klassenzimmer ein:
alle aufsteh'n. So musst es früher sein.

Stillsitzen, Lesen, Rechnen Schreiben, mehr,
die kleinen Köpflein war'n gefordert sehr.
Wissbegierig nahmen's viele auf,
wichtig schließlich für des Lebens Lauf.
Nach der Schulschluss-Klingel, immer fein,
ging's raus vom Schulhof schnell nach Heim.
                                              Georg Hainer


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